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Warum das alles?

In erster Linie als Notizbuch, als Werkzeug auf der niemals endenden Suche nach dem eigenen Ego, als selbstreferenzieller Zeitvertreib, als Was-ich-schon-immer-mal-sagen-wollte-Fingerübung, als Ablageplatz für Rezensionen, zum Schreiben, wie, wo, wann und worüber ich will.

In zweiter Linie als Sammelbecken für Gedanken über Cyberpunk and Cyberculture, Trash, Politik, Sex.

Und manchmal, in den extrem seltenen Fällen, in denen die Autorin ausgeschlafen ist und ihren Kopf nicht nur zum Frisurentragen benutzt, will dies Blog vielleicht ein bisschen mehr. Manchmal, selten, eventuell so gut wie nie, hat dies Blog eine Botschaft:

Deutsche Politik ist unsexy. Deutsche Politik ist vor allem unweiblich. An die Macht kommen auf den ersten Blick asexuelle Wesen wie Angela Merkel oder Frauen wie Ursula von der Leyen, konservative Supermamis, damit unsexy, denn wer will schon Sex mit Müttern? Attraktive Frauen werden als suspekt, als irgendweie unglaubwürdig, als unseriös empfunden, von Männern, in erster Linie aber von den Frauen selbst; körperliche Attraktivität gepaart mit Intelligenz und Kompetenz erhöht die Bedrohlichkeit, da spricht man die letzten beiden Attribute schnell mal ab, wenn das erste zutrifft, oder versteckt das erste, wenn die letzten beiden anerkannt werden sollen.

Präsentiert sich eine Politikerin als das, was sie auch ist, tritt sie neben ihrer politischen Rolle, neben ihrer Rolle als Intellektuelle, Familienmensch, Arbeitstier, Funktionserfüllerin auch in ihrer Rolle als Frau, als weiblicher Körper auf: Dann muss sie gar nicht ihr eigenes Grab schaufeln, dann schaufeln andere schon schnell genug.

Sex sells, ist aber unseriös. Allein politisches Engagement mit Sex, mit Körpern in Verbindung zu bringen und so eben sexy zu machen, oder auf altdeutsch (-latein): attraktiv auch für die an Politik sonst nicht Interessierten – allein dem Versuch haftet der Verdacht des Unseriösen an. Was Spaß macht, kann ja keine ernste Absicht haben. Statt Leichtigkeit also lieber dröge, faktenbasierte, deutsche Gründlichkeit. Saubermänner, Sauberfrauen, kernseifenglänzend, spaßunbefleckt.

More Sexappeal heißt also: mehr Weiblichkeit, mehr Körperlichkeit. Viel mehr aber noch: mehr Freiheit, mehr Spaß, mehr Augenzwinkern, mehr Unbefangenheit im Umgang mit dem politischen Alltagsgeschäft.

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