Archiv der Kategorie: jammern auf hohem niveau

Goodbye, 2014

2014 war ein furchtbares Jahr. Zu viel Tod, zu viele Verluste, zu viele Abschiede. Ich verzichte daher auf die gewohnte Jahresbilanz; es gibt nichst Positives zu berichten, das Negative möchte ich nicht widerkäuen.

Ja, es geht weiter. Es geht immer weiter.

Ich weiß zwar nicht, wie, oder wo, oder mit welchen Mitteln – aber es geht weiter.

Eigentlich bräuchte ich Abstand. So drei, vier Wochen Abstand von allem, raus aus dem Gedankenkarussell, aus dem ewig gleichen Trott, aus diesem Hamsterrad von zu stopfenden Löchern (schiefes Bild? Wahrscheinlich.), damit ich überhaupt wieder denken kann. Damit ich herausfinde, in welche Richtung es eigentlich gehen soll. Doch dafür fehlen die Möglichkeiten. Also geht es ohne Pause weiter, ohne Richtung. Muss ja.

everything sucks

bald geht es wieder gen heimat, um mir eine woche lang ein schlechtes gewissen machen zu lassen, da ich 600 km von zuhause – whatever that means – weggezogen bin und keine anstalten mache, zurückzukehren. währenddessen werden die tage kürzer und kürzer und draußen ist es mittlerweile selbst mittags so dunkel, dass das konzept „aufstehen“ jegliche bedeutung und jeglichen sinn verliert. ist sowieso viel zu kalt, zu grau, zu nass. mein nachbar löst das problem auf seine weise und hängt 24/7 vor dem tv-gerät, guckt dabei bevorzugt auf kinolautstärke, dolby-surround natürlich. andererseits macht er das auch bei sonnenschein. warum sich langzeitarbeitslose keine sauberen hosen, aber 40zoll-flachbildschirme und dolby-surround-anlagen leisten können – wer weiß das schon? eine neue wohnung zu finden wird für mich gerade zum ding der unmöglichkeit, da ich ja gerade mal drei monate selbstständig bin, daher keine vernünftigen einkommensnachweise habe (erst fehlt das einkommen, jetzt die nachweise. fuck you, irony) und so ab april wahrscheinlich unter brücken pennen muss. immerhin gibt es in berlin viele brücken. und ab mai reihe ich mich dann selbst in die liga der langzeitarbeitslosen ein, da ich ja die tolle idee hatte, der brotlosen zunft der online-journalisten beizutreten, da der journalismus sich gerade in einem umbruch befinden – was auf deutsch eigentlich heißt: es werden stellen abgebaut, aber keine neuen geschaffen, erst recht nicht für junge, eher unerfahrene redakteure und wenn man doch mal ´n job kriegt, kann man von der bezahlung vlt. n brot kaufen, mehr aber auch nicht (ja, dann sollen sie halt kuchen fressen…) – und da journalisten sowieso bald keiner mehr braucht, denn warum online zeitung lesen, wenn es weblogs gibt?

mein leben nervt.

Der Tag, an dem die Erde stillstand

Mal angenommen, ich wäre ein Außerirdischer. Ich käme auf diese Erde, um die Menschheit zu zerstören und die ersten Personen, die mir begegnen, wären schießwütige Soldaten, eine Jennifer Connely und der Sohn von Will Smith. Also ehrlich, die Menschheit wäre schneller ausgerottet, als man „GORT“ sagen kann…

Ich habe das Remake von „The Day The Earth Stood Still“ heute abend gesehen und ich habe mir große Mühe gegeben, ihn nicht mit dem Original zu vergleichen, sondern als eigenständigen Film zu sehen. Generell konnte ich mich allerdings wenig auf den Film konzentrieren – Notiz an mich: keine Filme mit Jennifer Connely mehr im Kino. Das geht nicht! (Jennifer Connely begann ihr Karriere übrigens bei den Simpsons, wo sie das Baby mit nur einer Augenbraue spielte. Ihre Augenbrauen sind seitdem noch gewachsen. Ihre Titten nicht.) Nicht vergleichen wollte ich, da die Vorraussetzungen heute andere sind als 1951 – mit der Kalten-Kriegs-Dramatik kann man heute schließlich nicht mehr kommen. Obwohl nukleare Bedrohung auch heute noch nicht unterschätzt werden sollte.

So ganz klappte das Nicht-Vergleichen natürlich nicht: Wo das Original einen sympathisch-menschlichen Außerirdischen (Micheal Rennie) hatte, der doch einigermaßen interessant wirkte und von dem man sich gerne ein paar Anekdoten aus dem Weltall erzählen lassen würde, hat das Remake Keanu Reeves, den man nur fragen möchte, ob er Hämorrhiden hat. Statt der etwas patzig-sympathischen Frau (Patricia Neal) gibt es eine sauertöpfische Augenbraue (ja, ich muss darauf rumreiten, das macht mir Angst. Ich habe da ein Theo Waigel-Trauma aus meiner Kindheit.). Statt des neunmalklugen Balgs gibt es den Sohn von Will Smith – und das ist jetzt mal eine gute Nachricht, der ist nämlich – Überraschung! – wesentlich weniger nervig und handelt wesentlich nachvollziehbarer als so manchen andere Filmkind (und wir haben die gleiche Frisur, da kann ich gar nichts Gemeines über ihn sagen). Statt einem Mann im Silberanzug gibt es einen computeranimierten, riesigen GORT, der einige imposante Sachen kann. Leider ist der Computer-GORT so schlecht animiert, da hätte man ihn auch gleich zeichnen können. Mein Gott, selbst Hulk war besser getrickst. Langsam frag ich mich wirklich, was das soll, mit der schlechten CGI.
Die Raumschiffe allerdings fand ich wirklich hübsch.

Klaatu kommt auch diesmal auf die Erde, um die von den Menschen ausgehende Bedrohung einzudämmen. Im Jahre 2008 bedrohen die Menschen allerdings nicht andere Weltraumbewohner, sondern – das ökologische Gleichgewicht. Daher startet Klaatu eine Rettungsaktion für das arme Getier diese Welt, während sich GORT daran macht, die Menschen zu vernichten. Ein Öko-Getue, das in seiner Uninspiriertheit und Plattheit schon richtig ekelhaft ist. Man stelle es sich vor: Weise, technologisch top-ausgestattete und hochbegabte Außerirdische haben nichts besseres zu tun, als die Erde zu beobachten und dann das Viehzeugs zu retten. Aus was für einer Motivation den bitte? Das Original bietet einen der besten Gründe für eine Invasion überhaupt – man fühlt sich bedroht, will aber nicht blind ausrotten, sondern einen Pakt schließen. Im Remake bleibt es mir vollkommen unklar, warum Klaatu sich überhaupt auf der Erde rumtreibt.

Witzigerweise schrieb der Spiegel (Print), das Remake habe weniger religiöse Erlöser-Rhetorik. Als Erlöser tritt Klaatu hier wirklich weniger auf und auch die Auferstehungsszene fehlt (soviel sei verraten). Dafür bedient sich der Streifen an allen anderen wesentlichen Stellen an den biblischen Geschichten (Archen! Heuschrecken-Plage! Märtyrer!).

Wie man merkt: Ich fand den Film ziemlichen Murks. Nicht, weil er das Original ake verändert – sondern weil er es für eine uninspirierte, dünne Story tut und die Schauspieler bis auf den kleinen Smith soviel Ausdruck haben wir ein Holzpfahl.
Dann schau ich doch lieber das Original. Dessen ambivalentes Ende hat sich beim ersten Sehen in mein Hirn gefressen und war auch beim zweiten Anschauen 17 Jahre später noch bewegend.

Die komplette Short-Story, auf der „The Day The Earth Stood Still“ basiert, „Farewell to the Master“ von Harry Bates gibt es hier.

Veränderung

Wenn mir jemand sagt, ich hätte mich „entwickelt“, lehne ich diese Feststellung gerne mal ab. Wahrscheinlich hat mich die betreffende Person einfach nur besser kennen gelernt.
Bei der Lektüre (gar nicht mal so) alter Tagebucheinträge plötzlich festgestellt, dass ich mich doch verändert habe im letzten Jahr. Ich kann die genauen Veränderungen nicht ganz greifen, aber etwas ist anders. Meine Persönlichkeit schwankt immer noch zwischen Größenwahn und Versagensängsten, zwischen Arroganz und Selbsthass. Vielleicht haben sich auch einfach die Dinge, vor denen ich Angst habe, verändert, sind gewachsen, nicht mehr die kindischen Kleinigkeiten. Ich reagiere häufig immer noch hysterisch auf alltägliche Situationen, die anderen Menschen nicht mal mehr ein Schulterzucken abringen – aber vielleicht nicht mehr bei wirklich jedem Scheiß. Dazu haben sich die (recht erwachsenen und berechtigten) Sorgen für einige Menschen aus meinem Umfeld Gott sei Dank verflüchtigen können, was auch mir ein wenig mehr Sicherheit gab.

Allerdings bin ich auch hoffnungsloser geworden. Und, falls möglich, noch fatalistischer.
Damals(TM) wollte ich funktionieren, reinpassen, Anerkennung – das will ich heute nicht mehr. Nicht mehr in diesem Maße. Damals waren meine Bekundungen, dass aus mir eh nie was wird, nichts werden kann, reiner Trotz, entstanden aus dem Wunsch, was Großes zu werden. Heute fehlt mir tatsächlich jeglicher Glaube, nicht unbedingt an meine Fähigkeiten, aber daran, dass sie mich irgendwo hinbringen. Ich will auch gar nichts Großes mehr werden. Ich will tatsächlich schon lange Nichts mehr. Ich habe mich abgefunden. Der Trotz hat sich verflüchtigt, geblieben ist Resignation.

Ich habe jetzt mein Ziel erreicht.
Was ich unterwegs verloren habe, sind die Träume und Wünsche für ein „danach“.

[Dennoch: Nach meinem Urlaub geht es hier dann mit Inhalten weiter. Das war nun wirklich der letzte selbtsmitleidige Eintrag. Das musste noch raus, doch jetzt reicht´s. Versprochen, geschworen, hoch und heilig!]

Was vom Tage übrigblieb, 30/08/2008 – Random Thoughts

– diese zukunft ist enttäuschend. autos sehen immer noch aus wie autos, ich arbeite nicht an einem holodeck, das klonen macht auch nur schleppende fortschritte und wo zum teufel ist eigentlich mein space-shuttle? das einzige, was wahr wird, ist anscheinend, wenn auch mit 24 jahren versprätung, „1984“. das ist so typisch. zukunft, ich fühle mich verarscht.

– erstaunlich, wie meine wahrnehmung funktioniert: gestern habe ich die feingliederung für einen text fertiggemacht, bewerbungen geschrieben, ein nettes buch gelesen, war beim sport und habe abends zusammen mit freunden gekocht (und bei wer wird milionär versagt). trotzdem erschien mir der ganze tag leer und nutzlos und ich unendlich faul.

– positives denken gehört im moment nicht wirklich zu meinen stärken.

– überlege, spontan nach hause zu fahren. um endlich mal wieder zu schlafen und konzentriert arbeiten zu können (zuhause = fern von internet und sonstigen prokrastinationsmöglichkeiten. naja, gut, wir haben handy-empfang. und eine pferde-koppel neben dem haus). dann fallen mir aber immer wieder ausreden ein, es nicht zu tun. purer masochismus, nehme ich an.

– meine lieblingssprüche aus der nachbarschaft diese woche:
„aber mein fernseher läuft nachts IMMER.“
irgendwann nachts um drei: „macht die fenster zu beim vögeln, ihr assis. es hören kinder zu.“ (galt nicht mir)

– brauche neuen job, neue wohnung, neuen haarschnitt und dringend neuen input, change of place, damit sich dieser urlaub auch wie urlaub anfühlt.

Risiko!

Schon wieder Muse – aber es passt gerade so schön: Bliss

Ich habe keine Ahnung, ob ich letztens die richtige Entscheidung getroffen habe.
Es hätte viele Gründe gegeben, zu bleiben (unter anderem hätte ich dann jetzt weniger Angst und könnte besser schlafen).
Doch es gab mindestens so viele Gründe, zu gehen.
Denn wenn ich jetzt nicht springe und auf Netz und doppelten Boden scheiße, werde ich nie das tun, was ich will – sondern immer nur die Erwartungen anderer erfüllen.

Warum ein Leben weiterführen, indem ich mich so passend fühle wie eine Linkshänderschere bei einem Rechtshänder? Soll ich noch länger damit zubringen, 8 Stunden am Tag, 40 Stunden die Woche ins Internet zu starren? Where´s the sense in that? Ehrlich, das ist doch kein Leben. Ehrlich, das ist nicht mein Leben.

Springen heißt auch, dass man ziemlich hart unten aufschlagen kann. Bitte, gerne, das Risiko geh ich ein, wird mal Zeit.
Und zur Not nehm ich halt irgendwelchen Studis die Aushilfsjobs weg…

das hört sich so sehr nach Abschied an, dabei such ich nur nen neuen Job… Drama Queen…

Analyse me

ich brauche eine unabhängige Analyse meines Gesamtsystems. Ich selbst sehe immer nur die selben alten Fehler. Ich meine nun doch, ein relativ realistisches Selbstbild zu haben und meine Stärken und Schwächen ganz gut einschätzen zu können. Meine Schwächen nerven mich nur selbst so sehr, dass ich die Stärken oft vernachlässige. Ab und zu tauchen aber plötzlich vermeintliche Stärken auf, mit denen ich so nie gerechnet hätte. Ich meine, wer hätte gedacht, dass sich ein dermaßen maulfaules und stures Ding wie ich mal in einem Projekt profiliert, in dem es hauptsächlich um Kommunikation geht? Mit Menschen reden, echten Menschen, reale Kommunikation statt virtueller, telefonisch und face-to-face! Mit einer Menge Bauchschmerzen und einer Menge Selbstüberwindung und eine ganze Zeit her ist es nun auch schon. Wahrscheinlich ein einmaliger Höhenflug…

Ich hätte mal gerne ganz neutral bewertet, was ich kann und was nicht, den Blick von außen. Denn ich habe gerade das Gefühl, auf der Stelle zu treten und in der geheiligten Mission „Selbstentwicklung“ nicht so ganz weiterzukommen, da ich nicht mehr weiß, was ich in welche Richtung entwickeln soll.

[Das wirkliche Problem dabei: Egal, wer diese Analyse versuchen sollte, ich werde diese Person eh abbügeln mit dem Gedanken „Ach, du hast doch keine Ahnung“…]