Der Weg zur Hölle ist mit Formularen gepflastert: Manna Francis – Mind Fuck (The Administration #1)

Manna Francis: The Administration series #1: Mind Fuck
Die gesamte Serie online hier: http://www.mannazone.org/
Bücher in Print oder eBook über Amazon oder Casperian Books

Der offizielle Blurb:
The inspiration for the Administration series of stories is a maxim of Chris Boucher, script editor of Blakes 7—There are no bad guys. There are no good guys. There are only better guys, and worse guys.
One of the worse guys is Val Toreth. In a world where torture is a legitimate part of the investigative process, he works for the Investigation and Interrogation Division .
One of the better guys is Keir Warrick, a corporate director. His small corporation, SimTech, is developing a ’sim‘ system which places users in a fully-immersive virtual reality.
Their world is the dark future dystopia of New London, where Europe is controlled by a totalitarian bureaucracy, which shares political power with powerful corporations. The oppressive government uses torture, violence and the various Divisions of the feared Department of Internal Security to maintain power. The corporations fight amongst themselves, using lethal force under the euphemism of ‚corporate sabotage‘, uniting only to resist attempts by the Administration to extend its control over them.
The series follows Warrick and Toreth, and their families, friends and enemies as they struggle to survive and hope to prosper.

Die Hölle ist eine Bürokratie. Das weiß man spätestens, seit Asterix Rom besuchte – und auch die besseren dystopischen Geschichten suchen den Schrecken nicht in der Zombie-Apokalypse oder in nuklearen Katastrophen, sondern in den kleinen, schleichenden politischen Veränderungen, die unsere Welt, unser Verständnis von Freiheit, Individualität und Demokratie prägen. Manna Francis Mind Fuck gehört nicht in die Reihe der Besseren, aber zur Riege der Guten. Nicht, weil die Geschichte so sonderlich originell wäre, nicht, weil der zugrundeliegende Kriminalfall Spannung erzeugen könnte. Vielmehr, weil Francis in präziser, effizienter Sprache und stringent durchdacht von diesem durchbürokratisierten System erzählt, dass sich The Administration nennt.

Die Prämisse aus der Kurzbeschreibung stimmt: Es gibt hier keine Bösen und keine Guten. Die Protagonisten sind keine Gegner des Systems, sie sind Mitspieler, vielleicht auch Spielfiguren. Ein Werkzeug, das für die Administration foltert und mordet, ein Unternehmer, der für seine Arbeit und seine Ergebnisse lebt. Vorrangige Handlungsmotive sind Selbstsucht, Überlebenstrieb, Sex. Keine Figuren, die eine Einfühlung leicht machen; da der gemeine Leser nach Identifikationsfiguren sucht, wird er dennoch welche finden – mit allen moralischen Fallstricken, die das mit sich bringt.

Die Welt der Administration ist eine pragmatische, streng ergebnisorientiert. Die Sprache passt dazu – Sprache und Erzählweise sind es schließlich auch, die Mind Fuck aus dem Einheitsbrei der Slash-SciFi/ Dystopie herausheben. Die Handlung ist es weniger: Das aufstrebende Unternehmen SimTech arbeitet an einer lebensecht erscheinenden Virtuellen Realität, Sim genannt. Plötzlich sterben mehrere Sim-User, darunter ein hochrangiger Firmenvorstand. Sabotage – oder tötet das (der? die?) Sim seine Nutzer? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Die Ermittlungen sind nun nicht besonders aufregend, die Lösung ist vorhersehbar. Doch am Ende passt alles logisch zusammen, fügt sich alles ineinander. Und wenn dann einer der Protagonisten dasitzt und über die aus dem Büro verschwindenden Topfpflanzen sinniert oder über die zahlreichen unsinnigen auszufüllenden Formulare, während im selben Moment nur einige Stockwerke tiefer Menschen gefoltert werden und sterben, wird der eigentliche Wahnsinn des Systems deutlich – deutlicher, als ihn explizite Folterszenen machen könnten.

Das alles zunächst nur vorläufig, bis ich den Rest der Serie gelesen habe. So in zwei bis drei Jahren dann.

Aus der Reihe: Ernsthafte Rezensionen zu Slash-Fiction. Just because I can *g*
Natürlich ist es immer noch Slash – aber darum geht es mir jetzt einmal nicht.

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