Spaß mit Stereotypen – My Magical Mystery Summer 2014

Sommerzeit ist Krimi-Zeit. Sommerzeit ist Pulp-Zeit. Leider hatte ich das dieses Jahr etwas zu lange vernachlässigt. Was sich als Buch-Hangover tarnte, war eigentlich nur ein Griff zur falschen Literatur zur falschen Zeit. Mein Gehirn verarbeitet gerade Informationen nur auf Groschenromanniveau. Aber was spräche schon jemals gegen guten Pulp? (rhetorische Frage)

Also, here we go. Da ich natürlich nie, niemals nicht Buchserien lese – habe ich gleich vier hintereinander angefangen. Eine davon war ein Schuss in den Ofen, bei den anderen bleibe ich dabei.

Jordan Castilo Price: PsyCop
#1: Among the Living
#2: Criss Cross

Sex, Drogen, Geister und Parkplatzprobleme – und ein Ich-Erzähler, der so wunderbar kaputt ist, dass ich mich auf den ersten Blick verknallt habe.
Im alternativen Chicago, in dem Cops mit paranormalen Fähigkeiten Geister jagen: Victor Bayne ist einer dieser PsyCops, ein Medium, der – ja genau – mit toten Menschen reden kann. Da es etwas anstrengend ist, den ganzen Tag von Toten vollgequatscht zu werden, dröhnt sich Vic mit allem zu, was ihm so in die Finger kommt, und lamentiert sich ansonsten durchs Leben.  Überzogene, teils etwas vorhersehbare Plots, jede Menge Sarkasmus und der erste Sex auf Seite 3: PsyCop macht großen Spaß.
Die Charaktere sind natürlich Stereotypen, der psychisch angeknackste Ich-Erzähler genauso wie der ach so gut gebaute Cop als Love Interest. Aber manchmal liegt genau darin der Reiz.

K.J. Charles: A Charme of the Magpies
#1 The Magpie Lord
#1.5 Interlude with Tattoos

Viktorianisches England mit Magiern. Nun ja, möchte man sich denken – aber in der Hand von K.J. Charles wird darauf beste, britische, sehr sexy Unterhaltung. Und die Idee mit den Tattoos ist großartig.

Josh Lanyon: The Adrien English Mysteries
#1: Fatal Shadows

Wer hätte es gedacht: Es bringt überhaupt nichts, dumme Tussen in Kriminalromanen mit dummen Typen zu ersetzen. Adrien English stellt mit seiner Dummtussigkeit alle dummen Tussen tatsächlich noch weit in den Schatten (no pun intended). Dazu eine Handlung wie aus dem Kriminalroman-Setzkasten und man hat eine sehr, sehr wütende Juniper.

M. Chandler: Shadow of the Templar
#1: The Morning Star
#2: Double Down
#3: With a Bullet (lese ich gerade)

Ein britischer Gentleman-Kunstdieb, ein Team von spätpubertierenden FBI-Agenten, freundschaftlich-grobes Geplänkel, total überzogene Handlungen und jede Menge sexuelle Spannung: Fertig ist mein not so very guilty pleasure des Sommers.
Man nehme Mission Impossible, Ocean’s Eleven, Simon Templar und White Collar und rühre einmal kräftig durch – dabei kommt dann so etwas wie diese Serie heraus. Das liest sich manchmal wie Fanfiction, die Charaktere sind comichafte Klischees, die Handlung ergibt jetzt nicht immer Sinn – aber gerade deswegen ist es gut, gerade deswegen macht es so verdammt süchtig. Und es ist Free Fiction, da urteile ich nicht so streng.

Und dann war da ja noch:
Hannibal, Season2

Wow. Hier haben die Produzenten einfach mal alles ausgepackt, was die Serientrickkiste her gibt: Artsy-fartsy Set-Design für eine möglichst verstörende Stimmung, extrem merkwürdige surrealistische Elemente, Handlungsbögen, die auch nicht immer wussten, wo sie hinsollten, fast das gesammte Thomas-Harris-Personal, ob es gerade reinpasste oder nicht (was nicht passt, wird halt passend gemacht) und Musikeffekte, die auch noch den kleinsten Fingerzeig zum Horrorfilm-Spektakel hochstilisiert haben. Give me a break!

Dass das Ganze nicht zum komletten Desaster wurde, sondern tatsächlich ziemlich gut, ist zwei Faktoren zu verdanken:
1. Mads Mikkelsen
2. Hugh Dancy

Mikkelsen hatte mich trotz seines extremen Akzents schon in der ersten Staffel überzeugt, Dancy war mir daneben nicht wirklich aufgefallen. Anders in der zweiten Staffel: Grahams Wandlung von Verzweiflung zu mordlüsternder Rache zu kalter Berechnung war bestechend gut gespielt. Ziemlich überzeugend auch Raúl Esparza als Chilton – Himmel, der Typ war mir für 2 Sekunden tatsächlich mal sympathisch. Letztlich trotz aller überzogener Kunststücke eine gute zweite Staffel mit Kick-Ass Finale. Ich freu mich, dass es noch eine 3. geben wird.

 

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