UWANTME2TOKILLHIM?

On the Internet, nobody knows you’re a dog.

Sonntagabend habe ich mich spontan umentschieden und bin nicht in Come Out And Play, sondern eben in UWANTME2TOKILLHIM? gegangen. Gesehen habe ich solide Sonntagabend-Unterhaltung auf dem Niveau eines – naja, Sonntagabend-Fernsehfilms. Warum dieser Film auf dem Fantasy Filmfest gezeigt wird, ist zwar das eigentliche Mysterium, da weder Horror noch Fantasy noch in irgendeiner sonstigen Art und Weise fantastisch, aber das kommt ja häufiger vor.

Zur Story: London, 2003. Der 16jährige Mark verknallt sich in einem Internet-Chat in Rachel, die mit ihrem Freund Kevin einem Zeugenschutzprogramm lebt. Kevin ist ein gewalttätiges Arschloch und gar nicht angetan von der Online-Beziehung seiner Freundin. Eines Tages verschwindet Rachel dann auch. Mark hat zuvor von ihr noch die Aufgabe bekommen, sich um ihren leicht seltsamen Bruder John zu kümmern, der in Marks Klasse geht und dort gehänselt wird. Zwischen den beiden Jungs entwickelt sich eine Freundschaft. John ist es auch, der Mark darauf bringt, dass Kevin Rachel ermordet hat. Mark sinnt auf Rache – da meldet sich eines Tages der britische Geheimdienst bei ihm und hat eine schockierende Bitte.

Klingt alles unglaublich? Ist es auch, denn natürlich ist alles ganz anders. Der Twist kommt schließlich weniger als Überraschung, denn als logische Konsequenz.

UWANTME2TOKILLHIM? zeigt, wie leicht sich Jugendliche – und wahrscheinlich nicht nur Jugendliche – manipulieren lassen, wie leicht man doch bereit ist zu glauben, was man glauben will. Zwar tritt an manchen Stellen unweigerlich die Frage auf: Kann man wirklich so dumm sein? So naiv, so leichtgläubig? Aber ja, man kann anscheinend. Davon sollte sich auch niemand voreilig freisprechen.

Die beiden jungen Darsteller Jamie Blackley und Toby Regbo agieren glaubwürdig und sensibel, ihnen verdankt es der Film, über die gesamte Dauer zu tragen. An zwei Stellen hapert es allerdings:

1. Die Chat-Szenen sind erstaunlich schwach inszeniert. Für einen Film, dessen Protagonisten den Großteil ihrer Zeit online verbringen, ist das ein großes Manko.

2. Die Freundschaft zwischen John und Mark bekommt nicht ausreichend Zeit, um sich zu entwickeln. Hier hätte man so viel mehr herausholen können, das Potenzial bleibt leider verschenkt. Zwei so unterschiedliche Charaktere, der eine beliebt, der andere der Klassensonderling und Mobbing-Opfer – zack, in 2 Filmminuten Freunde. Das wirkt ein wenig schal.

(Ein dritter, mehr persönlicher Punkt: Ich war nie ein männlicher Teenager. Das erschwert die Einfühlung.)

Daher: solide, ok, mehr nicht.

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