Europa Report

Irgendwann in der Zukunft, in einer Post-NASA-Welt, werden Anzeichen von extraterristrischem Leben nicht mehr auf dem Mars vermutet, sondern auf dem Jupiter-Mond Europa. Sechs Astronauten, dargestellt von einem durchaus bekannten Cast (Sharlto Copley / Michael Nyqvist / Christian Camargo / Embeth Davidtz / Daniel Wu / Anamaria Marinca / Isiah Whitlock Jr / Karolina Wydra), machen sich auf zu einer Mission – etwa zwei Jahre wird allein der Hinflug dauern. Natürlich geht etwas schief. Natürlich unterbricht die Kommunikation zwischen dem Bodenpersonal und dem Raumschiff. Natürlich überleben nicht alle.

Soweit, so bekannt.

Bekannt ist auch das Format der Mocumentary – um einen reinen Found Footage Film handelt es sich bei Europa Report dezidiert nicht, das angeblich gefundene Videomaterial ist geordnet, wird von Kommentaren unterbrochen; vor diesem Hintergrund erscheint auch der Soundtrack zwar zunächst irritierend, aber durchaus stimmig.

Vergleichsweise neu ist dagegen der extrem realistische Ansatz, den Sebastián Cordero wählt. Man mag die relative Ereignislosigkeit beklagen, die über einen weiten Teil den Film bestimmt. Aber was soll auf einer Raumstation schon groß passieren? Es ist ein Alltag losgelöst von allem, über 22 Monate hinweg dieselben grauen Wände, das ist langweilig, selbstverständlich.
Man mag bemängeln, dass die Charaktere blass bleiben, reine Abziehbilder, ohne persönliche Beziehung untereinander. Tatsächlich fällt es als Zuschauer schwer, eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen, auch ihr Tod lässt kalt. Andererseits: Wie viel Nähe kann der Blick durch Bordkameras schon zulassen?

Ich trauere noch heute darüber, dass es mir nicht vergönnt ist, Astronaut zu werden.
Ich mag daher den realistischen Ansatz, den weniger actiongeladenen, ruhigen Blick auf die Ereignisse, schätze Filme, die mehr Science als Fiction beinhalten.

Bei Europa Report fehlen mir allerdings die ganz großen Bilder. Ich hätte gern mehr Jupiter gesehen, mehr Europa. Der sense of wonder bleibt aus, gerade dann, wenn das wirklich Wunderbare gezeigt werden soll, wirkt es seltsam profan, platt, schlecht animiert. Es mag dem Budget geschuldet sein – doch die Fasziniantion wird in den Szenen, in denen die Crew mittlerweile auf Europa angekommen ist, nur behauptet, springt nicht über. Genauso, wie der Soundtrack Spannung behauptet, wo keine ist.

Doch bei aller Kritik: Ich mochte den Film – weil er so anders ist, weil er sich traut, Erwartungen auch mal zu enttäuschen. Weil er den realen Weltraum zeigt, nicht das Star-Trek-Star-Wars-Universum, in dem sich vielleicht kleine Jungs wohlfühlen, ich mich jedoch längst nicht mehr.

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