Fantasy Filmfest V / 2010: The Last Exorcism

Das war ja mal ein Schuss in den Ofen.
Ich hatte Montag ohnehin keinen Lauf: Schlechte Laune, müde, eigentlich keine Lust auf Kino und dann sammelt der Verleih des Films vor der Vorstellung auch noch die Handys ein… Immerhin hatte das FFF-Publikum ja die Ehre, den Film „vor der offiziellen Weltpremiere“ zu sehen, dieses wertvolle Gut muss Kinowelt natürlich schützen… *pffftt*

Der Film selbst war dann leider eine Enttäuschung. Er hätte eine Antithese zu Requiem sein können, inhaltlich ist er es auch, alles weitere versemmelt er aber. Doch von vorn:
Reverend Cotton Marcus ist eine kleine Berühmtheit im Süden der USA. Er ist ein grandioser Performer, seine Gemeinde hängt bei jedem Gottesdienst an seinen Lippen und auch als Exorzist ist Marcus sehr gefragt. Da gibt es nur ein, zwei kleine Probleme: Nach der schwierigen Geburt seines Sohnes zweifelt Marcus an seinem Glauben – und seine Exorzistenfähigkeiten sind nur gefaked. Mehr noch, Marcus ist zu dem Schluss gekommen, dass Exorzismus eine gefährliche Irreleitung ist. Um der Welt – oder zumindest der USA, was ja einige als gleichbedeutend ansehen – das zu beweisen, heuert er ein Kamerateam an, das ihn bei seinem letzten Exorcismus (wer hätte es gedacht) begleiten soll. Marcus will vor der Kamera all seine Tricks offenlegen. Doch dann, oh Wunder, oh Überraschung, gelingt die gefakete Dämonenaustreibung bei einer 16jährigen Farmerstochter nicht wie geplant. Ist das Mädchen etwa wirklich besessen? (DREIGROSSEFRAGEZEICHEN-UNHEIMLICHEMUSIK)

Um die Geschichte zu modernisieren, kommt The Last Exocism als Mockumentary daher – was durchaus narrativen Sinn macht, aber keine volle Wirkung entfaltet, da der pseudodokumentatorische Stil zu inkonsequent durchgezogen wird. Die erste Hälfte des Films ist dennoch gar nicht mal so schlecht: Sie zeigt einen abgeklärten Reverend, der zynisch-humorvoll an der Dekonstruktion seiner eigenen Profession arbeitet. Spätestens nach dem gespielten Exorzismus ist es dann aber vorbei mit guter Unterhaltung:  Klischee reiht sich an Klischee, schon-mal-besser-gesehen reiht sich an schon-mal-besser-gesehen. Natürlich verbiegt sich die Besessene merkwürdig, natürlich spricht sie mit verschiedenen Stimmen, natürlich kann sie Latein und natürlich kotzt sie. Und selbstverständlich gibt es dann zunächst eine weltliche „Auflösung“, die sich genauso selbstverständlich als fatal falsch erweist.

Eine altbekannte Story und eine Ansammlung von Klischees müssen nun nicht zwangsweise einen schlechten Film ergeben. The Last Exocism verpasst es aber gründlich, die altbekannte Story und die Klischees um irgendeine eigene Idee  anzureichern. Die zweite Hälfte ist so unspannend wie unironisch und uninspiriert. In den letzten zehn Minuten scheint dem Team zudem aufgefallen zu sein, dass ihnen die Zeit ausgeht und sie das Ende jetzt schnell herunternudeln müssen, damit noch alles in die 82 Minuten Gesamtlaufzeit passt. Hier verkommt der Film zu einer kruden Mischung aus Exorzist meets Blair Witch Project meets Rosemary´s Baby im Schnelldurchlauf. Und das wirkt leider reichlich albern.

Ich hätte also besser The Scouting Book for Boys gucken sollen.
Aber das wird nachgeholt.
Ebenso Black Death, The Killer Inside Me (auch, wenn der öde sein soll), The Disappearence of Alice Creed und evtl. Four Lions.

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Eine Antwort zu “Fantasy Filmfest V / 2010: The Last Exorcism

  1. Hört sich ja nach einem interessanten Film an! 😛 Der Trailer hat mich auch nicht umgehauen. Trotzdem danke für die Infos zum Film!

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