Fantasy Filmfest 2010 / I: Monsters

Die Ansagerin beschrieb Monsters mit den Worten: „Was für ein schöner Film!“ „Entschleunigung“ war der andere Begriff, der fiel. Beides trifft den Nagel auf den Kopf: Monsters ist ein schöner Film und er entschleunigt.

Zur Handlung: Sechs Jahre ist es her, seitdem eine Raumsonde mit außerirdischer Lebensform an Bord über Mexiko abstürzte. Die Außerirdischen haben sich im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet ausgebreitet, ein breiter Grenzstreifen gilt als infizierte Zone und ist Sperrgebiet. Die USA versuchen, sich mit einer Mauer vor den „Monstern“ und viel mehr noch vor Flüchtlingen zu schützen. Fotograf Andrew reist durch Mexiko und fotografiert Spuren der Extraterrestrier. Eines Tages erhält er den Auftrag, die Tochter seines Arbeitgebers wieder in die USA zu bringen. Da die beiden die letzte Möglichkeit verpassen, Mexiko über den sicheren Seeweg zu verlassen, müssen sie durch die infizierte Zone.

Monsters ist ziemlich genau der Film, den ich seit Jahren sehen wollte: Ein Monster-Movie (fast) ohne Monster, ein Anti-Cloverfield ohne große Action und reißerische Effekte und damit der authentischte Alienfilm, den ich erinnere. Monsters ist atmosphärisch dicht und von vorne bis hinten stimmig. (Der Trailer gibt das nicht wieder, der Film ist ganz anders, als er dort wirkt.)
Von mir aus hätte man ganz auf die Darstellung der außerirdischen Riesentintenfische verzichten und sich allein auf die unheimliche Geräuschkulisse verlassen können. Aber Regisseur Gareth Edwards braucht die Bilder der Außerirdischen für sein Ende – das war, aller Begeisterung für den Film zum Trotz, der kitschige Schwachpunkt des Films. Die Mär von der missverstandenen außerirdischen Kreatur, die hier anklingt, habe ich einfach schon zu oft gehört.

Im sehr unterhaltsamen Q&A betonte Edwards – sympathischer Typ, btw – wie wichtig ihm die emotionalen Momente des Films waren. Doch leider sind gerade die Emotionen etwas schal: Auf der einen Seite ist ER – bindungslos, mit einem Sohn, der jemand anderen für seinen Vater hält, und an seinem Beruf zweifelnd, weil er vom Elend anderer Menschen lebt. Auf der anderen Seite SIE, das Kind reicher Eltern, die heiraten will, um die Erwartungen ihres Umfelds zu erfüllen, die es aber andererseits satt hat, diesen Erwartungen zu genügen. Neu und innovativ ist was anderes…

Doch, und nun komme ich endlich zum Positiven, es gibt wohl nur wenge neue Geschichten, wenn es denn überhaupt welche gibt. Die Herausforderung liegt darin, Gewohntes auf ungewohnte Weise zu erzählen – und das gelingt Edwards mit Monsters sehr gut. Als Visual Artist weiß er, wie man einen Film gut aussehen lässt. CGI wird hier angenehm sparsam und an den richtigen Stellen eingesetzt; die Handkamera nutzt Edwards nicht für einen verwackelten, pseudo-dokumentatorischen Style, sondern schafft mit ihr Nähe zu den Figuren und zeigt atemberaubend schöne Bilder von Lateinamerika. Andrews Beruf entsprechend arbeitet die Kamera mit extremer Tiefenschärfe, jede Einstellung wirkt durchkomponiert, eben wie das Werk eines guten Fotojournalisten.

Geradezu genial ist das Sounddesing – die Geräusche der Aliens erinnern an Walgesänge, klingen dadurch seltsam vertraut und doch so fremd. Die Musik unterstützt die entschleunigte Atmosphäre perfekt, könnte besser nicht sein.

Edwards legte nicht nur in der Optik viel Wert auf Athentitzität, auch seine Darsteller sollten möglichst echt sein. Die Rollen von Andrew und Sam besetzte er daher mit einem wirklichen Pärchen – und die Chemie zwischen den beiden stimmt, man merkt es. Die restlichen Darsteller sind Locals, Bewohner Costa Ricas und Mexikos, die einen Super-Job abliefern. Besonders der Mann, der den Ticketverkäufer spielt, wirkt besser als viele „Schauspieler“, die ich in Hollywood-Streifen so gesehen habe.

Das war jetzt die wohl längste Filmkritik, die ich bisher geschrieben habe. Sollte ich das alles in einem Satz zusammenfassen, würde ich sagen: „Was für ein schöner Film!“

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