Soziales Rumexperimentieren mit Facebook – Was soll der Unsinn?

Kann mir mal jemand den Sinn dieser Facebook Gruppe erklären, zu der ich heute eingeladen wurde: Ultimate Social Experience?

Der Name klingt arg nach Spam-Mail, der Zweck soll aber ein ganz humaner, sozialer, politisch korrekter sein, wie man ihn sich zu Weihnachten nicht besser wünschen könnte: In einem Entwicklungsland soll eine Schule gebaut werden. Der Bau wird von der Organisation hinter der Facebook-Gruppe aber nur unterstützt, wenn sich 1.21 Mio Facebook-User der Gruppe anschließen. Sonst nicht, dann gibt es Geld für kleinere Unternehmungen. (1.21 Mio User, da nach Informationen der Organisation 121 Mio Menschen/Kindern der Zugang zu Bildungseinrichtungen fehlt.) Die Facebook-Nutzer selbst spenden nicht, das Geld kommt von Life Changing Apparel.

Was ist das denn bitte für ein Marketing-Scheiß? Wenn man ernsthaft daran interessiert ist, die Bildungssituation in Entwicklungsländern zu verbessern, soll man da halt Schulen bauen, ohne diesen merkwürdigen Umweg über Facebook zu gehen (ja, so einfach ist es auch nicht und monetäre Spenden schaden viel mehr als sie nutzen, ich weiß, aber für eine seitenlange Auseinandersetzung mit diesem Thema fehlt mir grade die Zeit). Was wollen die Organisatoren damit erreichen? Einen rein humanitären Zweck verfolgen sie ja anscheinend nicht. Ein Experiment soll es sein, die Aufmerksamkeit der Facebook-Nutzer erregen, vielleicht soll es ihnen das Gefühl geben, etwas bewegen zu können, „to make a difference“.

Dafür reicht aber die simple Mitgliedschaft in einer Facebook Gruppe nicht aus. So einfach funktioniert die Welt nunmal nicht.  Ich bin schon davon überzeugt, dass soziales Engagement auch online funktioniert und dass sich damit viele sinnvolle neue Projekte starten und sich alte Formen des politischen wie humanitären Handelns sinnvoll ergänzen lassen (alles andere wäre ja auch verwunderlich, bedenkt man, welchen Job ich habe). Aber der Glaube, einer Facebook-Gruppe beizutreten würde reichen, um sinnvoll und nachhaltig etwas zu verändern, ist mehr als nur naiv.

Man kann sich über das Interent engagieren, über soziale Netzwerke, über Online-Aktionen – das ist oft bequemer und einfacher. Man kann sich auch ohne das Internet engagieren, dann muss man halt seinen Arsch ein bisschen mehr bewegen und ein paar mehr Anstrengungen unternehmen, das ist schwieriger, das ist komplizierter und es kostet viel mehr Zeit.Das Internet ist allerdings nur das Mittel, nicht der Zweck – USE scheint es aber zum Zweck machen zu wollen, zumindest interpretieren ich es so.

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Eine Antwort zu “Soziales Rumexperimentieren mit Facebook – Was soll der Unsinn?

  1. Wer weiss schon absolut sicher, ob`s sinnvoll ist oder nicht? Auch die Frage nach dem Sinn ist nicht unbedingt sinnvoll…
    Was die Einladung betrifft: Take it or leave it.

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