Der Tag, an dem die Erde stillstand

Mal angenommen, ich wäre ein Außerirdischer. Ich käme auf diese Erde, um die Menschheit zu zerstören und die ersten Personen, die mir begegnen, wären schießwütige Soldaten, eine Jennifer Connely und der Sohn von Will Smith. Also ehrlich, die Menschheit wäre schneller ausgerottet, als man „GORT“ sagen kann…

Ich habe das Remake von „The Day The Earth Stood Still“ heute abend gesehen und ich habe mir große Mühe gegeben, ihn nicht mit dem Original zu vergleichen, sondern als eigenständigen Film zu sehen. Generell konnte ich mich allerdings wenig auf den Film konzentrieren – Notiz an mich: keine Filme mit Jennifer Connely mehr im Kino. Das geht nicht! (Jennifer Connely begann ihr Karriere übrigens bei den Simpsons, wo sie das Baby mit nur einer Augenbraue spielte. Ihre Augenbrauen sind seitdem noch gewachsen. Ihre Titten nicht.) Nicht vergleichen wollte ich, da die Vorraussetzungen heute andere sind als 1951 – mit der Kalten-Kriegs-Dramatik kann man heute schließlich nicht mehr kommen. Obwohl nukleare Bedrohung auch heute noch nicht unterschätzt werden sollte.

So ganz klappte das Nicht-Vergleichen natürlich nicht: Wo das Original einen sympathisch-menschlichen Außerirdischen (Micheal Rennie) hatte, der doch einigermaßen interessant wirkte und von dem man sich gerne ein paar Anekdoten aus dem Weltall erzählen lassen würde, hat das Remake Keanu Reeves, den man nur fragen möchte, ob er Hämorrhiden hat. Statt der etwas patzig-sympathischen Frau (Patricia Neal) gibt es eine sauertöpfische Augenbraue (ja, ich muss darauf rumreiten, das macht mir Angst. Ich habe da ein Theo Waigel-Trauma aus meiner Kindheit.). Statt des neunmalklugen Balgs gibt es den Sohn von Will Smith – und das ist jetzt mal eine gute Nachricht, der ist nämlich – Überraschung! – wesentlich weniger nervig und handelt wesentlich nachvollziehbarer als so manchen andere Filmkind (und wir haben die gleiche Frisur, da kann ich gar nichts Gemeines über ihn sagen). Statt einem Mann im Silberanzug gibt es einen computeranimierten, riesigen GORT, der einige imposante Sachen kann. Leider ist der Computer-GORT so schlecht animiert, da hätte man ihn auch gleich zeichnen können. Mein Gott, selbst Hulk war besser getrickst. Langsam frag ich mich wirklich, was das soll, mit der schlechten CGI.
Die Raumschiffe allerdings fand ich wirklich hübsch.

Klaatu kommt auch diesmal auf die Erde, um die von den Menschen ausgehende Bedrohung einzudämmen. Im Jahre 2008 bedrohen die Menschen allerdings nicht andere Weltraumbewohner, sondern – das ökologische Gleichgewicht. Daher startet Klaatu eine Rettungsaktion für das arme Getier diese Welt, während sich GORT daran macht, die Menschen zu vernichten. Ein Öko-Getue, das in seiner Uninspiriertheit und Plattheit schon richtig ekelhaft ist. Man stelle es sich vor: Weise, technologisch top-ausgestattete und hochbegabte Außerirdische haben nichts besseres zu tun, als die Erde zu beobachten und dann das Viehzeugs zu retten. Aus was für einer Motivation den bitte? Das Original bietet einen der besten Gründe für eine Invasion überhaupt – man fühlt sich bedroht, will aber nicht blind ausrotten, sondern einen Pakt schließen. Im Remake bleibt es mir vollkommen unklar, warum Klaatu sich überhaupt auf der Erde rumtreibt.

Witzigerweise schrieb der Spiegel (Print), das Remake habe weniger religiöse Erlöser-Rhetorik. Als Erlöser tritt Klaatu hier wirklich weniger auf und auch die Auferstehungsszene fehlt (soviel sei verraten). Dafür bedient sich der Streifen an allen anderen wesentlichen Stellen an den biblischen Geschichten (Archen! Heuschrecken-Plage! Märtyrer!).

Wie man merkt: Ich fand den Film ziemlichen Murks. Nicht, weil er das Original ake verändert – sondern weil er es für eine uninspirierte, dünne Story tut und die Schauspieler bis auf den kleinen Smith soviel Ausdruck haben wir ein Holzpfahl.
Dann schau ich doch lieber das Original. Dessen ambivalentes Ende hat sich beim ersten Sehen in mein Hirn gefressen und war auch beim zweiten Anschauen 17 Jahre später noch bewegend.

Die komplette Short-Story, auf der „The Day The Earth Stood Still“ basiert, „Farewell to the Master“ von Harry Bates gibt es hier.

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