BILDungsmisere

eigentlich ist es müßig, was zu franz josef wagners kolumne über die aktuellste pisa-studie und die sächsischen schüler zu schreiben. haben andere auch schon getan. recht ausführlich, teilweise, und ich kann da nur zustimmen.

erschreckend aber FWJs unkenntnis, was satzbau anbelangt – von der völlig fehlenden argumentationslinie will ich gar nicht erst anfangen.  (nein, ich verlinke jetzt nicht direkt auf den Bild-artikel.)

eine gewisse abneigung gegen streber kann ich nachvollziehen, obwohl, oder vielleicht auch gerade weil ich wesentliche jahre meiner kindheit damit verschwendete, selbst einer zu sein. das renkte sich mit der pubertät wieder ein, weil ich begann, ein soziales leben zu haben, weil meine konzentrationsfähigkeit über die jahre kontinuierlich nachließ, und auch, weil ich merkte, dass meine noten nicht sonderlich leiden, wenn ich andere prioritäten setze. ich bin aber auch in NRW zur schule gegangen – ich weiß nicht, ob es heute noch genauso ist, aber damals reichte dort eine gewisse grundintelligenz, um mit wenig aufwand einigermaßen durch die schule zu kommen. die abneigung gegen streber beruhte weniger auf deren schulnoten – meine waren ja auch ganz gut – als auf ihrem ansonsten asozialen verhalten: nicht abschreiben lassen, immer erster sein wollen, schule, noten, den eigenen erfolg wichtiger nehmen als alles andere.

ich kann ebenfalls nachvollziehen, dass man in einem bestimmten alter einiges, vieles, alles wichtiger findet, als schule. und dass es viele verschiedene wege gibt, wie man lernen kann, und viele verschiedene orte, an denen man was lernen kann.

als ich der pubertät entwuchs, merkte ich aber auch, dass nicht jeder wissenshungrige, neugierige mensch ist ein „klugscheißer“ ist oder ein streber. dass meine abneigungen sich nicht gegen das lernen an sich richteten, sondern gegen ein schulsystem, das für leute, denen auswendiglernen, strukturiertes vorgehen und autoritätenhörigkeit eher weniger liegen, nicht geeignet ist. an diesem wird ja heute gearbeitet, mal mehr schlecht als recht und über´s knie gebrochen – man denke etwa an die nur mäßig gelungene einführung von G8 in den westlichen bundesländern. es liegt noch immer einiges im argen, immer noch ist viel zu viel von der person des lehrers, von seinem elan und seinem engagement abhängig und noch immer gibt es, zumindest an den schulen, die ich kenne, lehrer, denen jegliche begeisterung, jegliches interesse für ihren job schon vor jahren abhanden gekommen ist, die aber trotzdem noch lange, zu lange, weitermachen werden, weil sie bequem verbeamtet sind. es scheint sich aber an einigen orten ein bisschen was zu bewegen, wie man jetzt an sachsen sieht (wenn man denn der pisa-studie vertrauen und die studien-ergebnisse auf die schulische realität übertragen kann, was aber noch mal eine ganz andere geschichte ist).

und darüber sollte man sich verdammtnochmal freuen. man sollte sich über neugierige, wissenshugrige kinder freuen. was für ein mensch muss man eigentlich sein, kindern zu vermitteln, ohne schulbildung lebe es sich doch viel cooler, schließlich könne man ja solche traumberufe ergreifen wie bild-kolumnist? hat die bild-zeitung angst, ihre leser zu verlieren, wenn die schüler besser in der schule werden (bzw. genauer gesagt, besser bei der pisa-studie abschneiden)?

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