Ich war ja für Hillary…

ich mochte obamas berliner rede (via) nicht – so rhetorisch durchkomponiert sie auch sein mag, was die literaturwissenschaftlerin in mir anerkennt, inhaltlich fand ich sie grausam. mir missfiel das anbiedernde widerkäuen der berliner geschichte, bei sätzen wie “ This is the moment when we must come together to save this planet“ lief es mir kalt den rücken herunter. als was sieht der sich – als erlöser? als retter der menschheit? und warum sollen „wir“ (wer auch immer „wir“ sind) da hinterherrennen?

mir missfällt die inhaltsleere, missfällt, dass sich kaum ein politisches programm erkennen lässt – und wenn, dann als abkehr von den bisherigen wahlversprechen, in einem „ja“ zur todesstrafe, zum Beispiel (jaja, nur für die und die leute, weil so als präsident hat man ja das recht dazu, zu bestimmen, welche verbrecher noch als mensch gelten und welche des lebens nicht mehr wert sind). mir fehlen fakten, fakten, fakten, mir fehlen überzeugende argumente, überhaupt fehlen: argumente, mir fehlt irgendeine erklärung, was dieser mann da überhaupt will. ich will kein charisma, ich will nachvollziehbare politische programme.

andererseits: anscheinend versteht es obama, menschen für politik zu begeistern, junge menschen, die sich bisher kaum für das politische tagesgeschehen interessiert haben. dass er es mit platitüden schafft, mit an plattheit kaum zu überbietenden slogans wie „Yes, we can!“ und „Change“ – kann man da nicht drauf scheißen und sich freuen, über das engagement, über die emotionalität, über den einsatz der obama-unterstützer? darüber, dass tatsächlich ein wandel, welcher art auch immer, zumindest in der einstellung gegenüber politik, möglich scheint, wenn der kandidat nur charismatisch genug ist?

„nachvollziehbare politische programme“ begeistern niemanden.

müssen es immer fakten sein?
passen politik und begeisterung, politik und emotionalität zusammen?
wie deutsch ist es, fakten zu verlangen und der massenbegeisterung zu misstrauen

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Eine Antwort zu “Ich war ja für Hillary…

  1. klar isses ein wenig verkopft – nur nach fakten zu gehen. aber in der politik bin ich doch recht froh, wenn es nach selbigen geht. mir zeitweilen sogar immer noch zu wenig. aber – sex sells. und charismaten sind nun mal gute verkäufer. solange der unterbau stimmt – die eigentlichen strippenzieher gute arbeit machen, sind ja letzlich die, die wirklich die politik „machen“. und vielleicht tun wir uns ja nicht ohne grund etwas schwer, massenbegeisterung etwas skeptisch zu sehen. ging ja schon mal mächtig nach hinten los.

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