Sonntag

Trotz Sommersonne ist es merkwürdig leer und still am Plötzensee. Wenige Radfahrer, ein russisches Pärchen im Zwiegespräch, ein paar eiserne FKK-Anhänger – wie immer die, von denen man sich wünscht, sie würden ein bisschen mehr von textiler Verhüllung halten. Fahle Haut, die eindeutig schon bessere Zeiten gesehen hat, wirft Falten, am Bauch, unter den Brüsten. Darin sammelt sich der Schweiß, rinnt langsam von Falte zu Falte. Hin und wieder gehen einige Leute schwimmen, waschen den Schweiß ab, alle in derselben trüben Brühe.

Meine eigene, frisch rasierte Haut mag den Schweiß nicht, mag auch die Sonnencreme nicht wirklich, wehrt sich mit kleinen roten Pusteln. Der Nerd-Blässe kann die Sonne nichts anhaben; selbst der britische Besuch trumpft mit dunklerer Tönung auf.

Auf dem Rückweg versuche ich, keinen der phäromontrunkenen Käfer zu zertreten, die dort auf dem Gehweg ihren Paarungsritualen nachgehen. Andere Leute waren weniger aufmerksam, man sieht zerquetschte rote Körper. Kann mich nicht entscheiden, ob es ein schöner oder ein ziemlich dämlicher Tod ist, beim Sex von einem Riesen zertrampelt zu werden.

Weiche renitenten Rollstuhlfahrern aus, die in Dreier-Verteidigungsformation den schmalen Weg entlangrollen. Weder Radfahrer auf Überholkurs noch entgegenkommende Fußgänger haben da eine Chance. Die Rache an den Unversehrten.

An der Ampel macht mir – verschwitzt, zerknittert, ungeschminkt – ein Typ in einem Proll-Cabrio einen Heiratsantrag. Ich lehne dankend ab.

Inzwischen nimmt die Bewölkung zu.

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