Popkulturelles im Mai

Kino:
In Bruges. okayer Film, recht britisch, schön morbide. Brügge tut das, was es am besten kann, nämlich eine hübsche Kulisse sein. Denn Brügge ist ein Scheiß-Kaff, ein verdammt antiseptisches noch dazu in dem es keinen echten Müll, keine festgetretenen Kaugummis und keine Zigarrettenkippen am Gehwegrand gibt, nur Walt-Disney-Schlösser, Türmchen und Erkerchen und Wasserspeier und ganz bestimmt keine echten Menschen mit echten Wohungen, denn selbst dort steht der Nippes wohlgeordnet, arrangiert. Brügge ist nicht echt, da bin ich (fast) sicher.

Bücher:
– Philip K. Dick, Ubik: langweilig.
– Philip K. Dick, The Three Stigmatas of Palmer Eldritch: Gefiel mir besser als Ubik, wurde mir aber gegen Ende zu metaphysisch. Schade, denn bis auf die letzten zwanzig Seiten fand ich die Geschichte um Flucht aus der Zukunft in eine heimelige Vergangenheit, Sehnsucht nach Heimat und omnipotenzbessesene alte Männer ganz ansprechend.
– Chuck Palahnuik, Lullaby: Selten dämliche Grundstory: Ein altes Gedicht hat die Macht, Menschen zu töten und irgendwelche Armleuchter wollen nun alle gedruckten Versionen dieses Gedichtes vernichten – oder auch nicht. Palahniuk macht daraus natürlich ein grandioses Buch mit absurd-realistischen Loosern, zitierfähigen Sätzen am Fließband, sehr vielen „Oh ja, kenn ich genau“-Situationen und mal wieder sehr starken weiblichen Protagonisten (diesmal auch gleich zwei). Während ich viele andere Autoren lese, um auf Gedanken zu kommen, die ich noch nicht hatte und mir neue Sicht- und Denkweisen nahe bringen zu lassen, lese ich Palahnuik, weil er genau erfasst, was sich Durchschnittsbürger(in) auch schon mal dachte oder sogar immer schon so sah – und das ziemlich gnadenlos seziert (außerdem, wie ich bereits andeutete, gefallen mir seine Frauenfiguren besser als die jedes anderen männlichen, us-amerikanisches Autors, den ich kenne). Lullaby ist nicht annähernd so gut wie Survivor, kommt auch an Fight Club nicht ran und ist weniger eklig und pseudo-schockierend als Haunted (was nun auch keine Kunst ist) – ist aber immer noch gut genug.

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