Lord of the Blogs oder der Einfluss der deutschen Kultur auf E-Partizipation

Sehr hübsch: Das britische House of Lords bloggt und nennt das ganze Lord of the Blogs. Aus dem About:

„The aim of the blog is to help educate, raise awareness and engage with the public on a range of issues relating to the role and business of the House of Lords.

The blog is authored by a group of Members from across the House. Each Member has their own profile and personal section of the blog. A ‘homepage’ provides an at-a-glance digest of the latest post from each Member.
Each Member will make a regular and short written entry providing an insight into the business of the House of Lords, and their own particular activity in and around the Lords Chamber.“

(and they seem to be responsive and really interested in dialogue, as far as I can judge from the first entries and comments)

Am Wochenende hatte ich eine kurze Diskussion über die Einflüsse der „deutschen Kultur“ auf E-Partizipation geführt. (Gut, ein Blog ist nicht gleich ein Partizipationsprojekt, eröffnet aber Einblicke ins politische Geschehen, die es auf den offizielleren Seiten nicht so gibt, trägt damit zur Transparenz und zum Verständnis demokratischer Abläufe bei, so dass ich politische Blgs / Blogs von Politikern zumindest mal zur E-Demokratie zähle).

Zurück zur Diskussion über „deutsche Kultur“ und E-Partizipation. Mein Gegenüber kritisierte ein wenig die These, es war nicht meine, dass die Deutschen in E-Democracy den Briten und den Niederländern – als Beispiele, man könnte auch Frankreich oder die USA nennen – hinterherhinkten und dies in der „deutschen Kultur“ begründet liege. Ich habe nun für meine Magisterarbeit zu viele Projekte durchwühlt, als dass ich einen Zusammenhang zwischen den in Deutschland vorherrschenden kulturellen Eigenschaften und Art und Aufbau von E-Partizipationsprojekten ernsthaft abstreiten könnte. Deutsche Politiker und auch deutsche Nicht-Regierungsorganisationen waren nie Vorreiter auf diesem Gebiet, sie adaptieren, Innovationen gehen aber von anderen Staaten aus.
Das mag vielleicht daran liegen, dass es in Deutschland eh schon viele Möglichkeiten zur politischen Beteiligung gibt und die Medien in ihrer Berichterstattung im Vergleich sehr unabhängig sind. Beides ebenfalls Aspekte der deutschen Kultur, btw (relativ geringe Machtdistanz). Zum anderen gibt es in Deutschland eine gewisse Skepsis gegenüber technischen Innovationen und Neuerungen im Medienbetrieb (ich sag nur: Journalisten versus Blogger). Unsicherheitsvermeidung, wie der gute alte Hofstede jetzt rufen würde. Erst mal die anderen ausprobieren lassen, bevor man sich selbst in die Nesseln setzt. Die deutsche Angst vor der Beta-Version. Erst mal die Risiken abwägen, Studien schreiben lassen, Kosten und Nutzen analysieren, Experten befragen. Dann, vielleicht, irgendwann mal was machen.

Ich kann nicht sagen, welches System – ein „Machen-wir-mal-einfach“ oder ein „Erst-prüfen-dann-handeln“ – sich letztliche als das Effizientere herausstellen wird. Mir geht es nämlich gar nicht um Effizienz. Mir geht es darum, dass ich eine gewisse Leichtigkeit, etwas Risikobereitschaft und ein bisschen Spaß im deutschen Politikverständnis vermisse. Das macht sich eben auch in der elektronischen Demokratie bemerkbar. In Deutschland darf Politik nämlich keinen Spaß machen – dann hätte das ja nichts mehr mit ehrlicher Arbeit zu tun. Und diese Einstellung IST kulturell bedingt!
Vielleicht wechselt das ja mit einer neuen Generation von Politikern. Momentan kann ich mir allerdings kein Bundestagsblog vorstellen. (Und wenn jetzt jemand fragt: Wofür braucht man das denn? – Diese Frage ist so TYPISCH DEUTSCH!)

Eigentlich wollte ich mich die nächsten zwei Wochen nicht
mit Elektro-Demokratie beschäftigen...
Warum machen die Briten auch ihr dummes Blog?
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Eine Antwort zu “Lord of the Blogs oder der Einfluss der deutschen Kultur auf E-Partizipation

  1. Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.

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