Gotteswahn – Kultur ohne Gott

Meinungsbestätigungsliteratur – heute: Richrad Dawkins, Gotteswahn (The God Delusion)

ich erwähnte ja, dass ich es vor kurzem tatsächlich geschafft habe, mal wieder ein sachbuch zu lesen. hat auch nur etwa vier wochen gedauert…
während der lektüre kamen mir einige fragen in den sinn – die aber vom guten Dawkins im verlauf der weiteren lektüre ziemlich schlüssig beantwortet wurden. sah es also nach den ersten 100 seiten noch so aus, als würde mein eintrag zu diesem werk ein ellenlanger sermon werden, soll es jetzt hier nur um zwei kurze sachen gehen.

1. religion und kultur
oder noch besser: religion und die schönen künste
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ein einfluss des glaubens auf die künstlerischen machenschaften des menschen, von den höhlenmalereien der ersten tiergottheiten-verehrer über die schönen knabenstatuetten der griechisch-römisch-polytheistischen antike, den späteren tiergottheiten-versionen in ägypten und indo-asien, die mittelalterliche heiligen-ikonographie bis zur heutigen, nur halb-ironischen jesus-action-figur, ist so unübersehbar, dass ich mir unweigerlich die frage stellte, wie sich eine kultur ohne glauben, ohne mysthizismus entwickelt hätte. an den genannten beispielen sieht man schon, dass es mir nicht um eine bestimmte religion geht; ich suche eine alternativversion der menschlichen kunst- und kulturentwicklung, wenn diese allein auf völlig rational-wissenschaftlichen gedankengängen, auf empirie beruht hätte.

wahrscheinlich auch, dass die tatsächliche kunst- und kulturgeschichte schon auf empirie, zumindest auf beobachtung beruhte, ohne allerdings die möglichkeit, wissenschaftlich validierte schüsse daraus zu ziehen. wenn es so aussieht, als würde eine gelbe scheibe über den himmel wandern und nachts verschwinden, welch monster auch immer daran schuld sein mag – warum was anderes glauben? wenn man singt und es beginnt zu regnen – warum nicht den gesang für den regen verantworlich machen? das entbiehrt nicht einer gewissen logik.

aber einmal angenommen, der menschheit wären ratio und wissenschaft von ihren evolutionären anfängen an näher gewesen als mysthizismus: wie hätten ihre ersten bildnisse ausgesehen? was hätten sie besungen?

mir fielen zwei theorien ein: vielleicht hätte sie überhaupt nicht begonnen, dinge abzubilden, weder bildlich noch stimmlich. darauf kann man kommen, wenn man den ideen einiger forscher folgt, die in höhlenmalereien beschwörungen entweder der toten tiere (ihrer seele?) oder der noch zu erlegenden beute sehen. (keine ahnung, wieviel wahrheit in diesen ideen steckt, ich kenne wenige höhlenmenschen, und diese wenigen malen nicht. singen auch nur nach reichlichem alkoholkonsum.)

erfolgen wir diesen gedankenpfad einmal weiter. keine religiös motivierte kunst, da keine religion, führt zu keiner kunst at all. dafür besteht keine notwendigkeit mehr, verehrung muss sich nicht mehr in bildern ausdrücken, da dort nichts mehr ist, was man verehren könnte.
keine verehrung, keine höhlenmalereien, keine antiken statuen, keine pyramiden für lager-than-life-gottkönige, keine mittelalterlichen ikonen und gemälde, keine kirchen, keine kaaba, kein mailänder dom, kein kölner dom, keine marmornen marien, keine jesus-action-figur. keine beschwörungsgesänge, keine regentänze, kein wagner, keine kirchenorgel, kein personal jesus. kein totenbuch der ägypter oder welcher kultur auch immer, keine hyroglyphen, kein koran, keine bibel, kein luther, kein „hier stehe ich und kann nicht anders“, kein „jeder nur ein kreuz“, kein „im namen der rose“.

schnitt.

ist das realistisch? ist die sehnsucht des menschen nach abbildung der wahrgenommenen wirklichkeit nicht noch größer als die sehnsucht nach regligion?
in meiner zweiten version gibt es daher höhlenmalereien, nicht anders als die tatsächliche bestehenden. dazu gäbe es realistische darstellungen der übrigen natur, naturalistische darstellung von fauna und flora, übergehend in impressionistische eindrücke, expressionistische spielereichen, abstraktionen, alles jahrhunderte vorweggenommen. und abbildungen des menschlichen wesens selbst, seines phänotyps, seines innersten im wortsinne, seines genotyps vielleicht, entdeckt im jahre 0. statt pyramiden erschaffen die ägypter riesige, maßstabsgetreue modelle der atome, bauen des kosmos nach und besingen quarks. statt marienstatuen aus marmor bauen die menschen speicherchips aus sillizium, im 7 jh. p dna. in den museen stehen statt göttlicher knaben antike supercomputer, 4 jahre bis zur antwort 42, hängen statt ikonen periodensysteme, statt eines schwarzen quadrats die formel zur schaffung künstlicher schwerkraft. im jahre 2001 p dna eröffnen wir eine kolonie auf jupiter, urbar gemacht in jahrzehntelanger arbeit intelligenter maschinen.

stop.

alles leben beruht auf wahrscheinlichkeit, was ist also wahrscheinlicher?

2. ist religion nicht privatsache? muss nicht jeder tolerante mensch andere glauben lassen, was sie wollen?
dawkins beantwortet die frage bereits mit einem klaren Nein, ich als mensch mit einem wahnhaften zwang zur political correctness tue mich damit nicht ganz so leicht. zur klarstellung: ich rede nicht von kindern, die nicht entscheiden können, was sie glauben wollen, da sie noch keinen begriff davon haben, was glaube ist. ich rede von erwachsenen menschen, den normal-harmlos gläubigen, die vor dem essen oder nach mekka beten oder auch nicht, die in ihrer religion eine aufforderung zum frieden und zur nächstenliebe sehen, die also keiner fliege was zuleide tun. kann man diese menschen nicht einfach 200 jahre aufklärung und etwa 170 jahre evoltionstheorie verpennen lassen? besonders, da dies in biblischen oder anderen religiösen maßstäben gemessen zugegeben recht kurze zeiträume sind? ist das nicht einfach egal?

ich hab keine antwort.

und ja, für MEINE VERHÄLTNISSE ist dieser text kurz, dude.
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