Frauen und Technik

Gestern: GeekGirlDinner in Berlin – Tekkie-Event nur für Frauen, Männer kamen nur rein, wenn eine Frau sie eingeladen hat. Für mich hat das denselben muffigen Beigeschmack wie getrennter Physikunterricht für Jungen und Mädchen, oder dieser unsägliche GirlsDay: Gut gemeint, aber damit eben das genaue Gegenteil von gut. Denn es TRENNT.

Gleichheit bedeutet für mich nicht, Extrawürste zu schaffen. Das Bedürfnis nach einem rein, oder fast rein weiblichen Geek Event kann ich verstehen; die Arbeitsathmosphäre gestern abend war wahrscheinlich sehr angenehm, frau wurde mal nicht angeguckt wie´n Auto, nur weil sie PHP nicht für ´ne Pilates-Übung hält, und ja, auch ich hätte es interessant gefunden, zu sehen, welche Frauen sich sonst noch so mit IT beschäftigen und speziell mit politischer Online-Kommunikation (ich habe aber, wie so oft in meinem Leben, den Anmeldetermin verpennt und war gestern auch, es lebe das Klischee, zu sehr in das Kochen und Verspeisen eines gemeinsamen Abendessens eingebunden).

Doch das kann es nicht sei. Dadurch entsteht eine Exklusivität, die ich für eher kontraproduktiv halte. GeekGirls werden so als etwas ungewöhnliches, besonderes gekennzeichnet. Oder gibt es auch eine GeekBoyNight? Oder einen Boy Day? Oder Deutsch-Unterricht nur für Jungs, weil Mädchen ja viel sprachbegabter sind? Falls ja, sagt mir das bitte, das würde mich dann wieder besänftigen.

Ich mag es nicht, als Frau in eine Sonderrolle gesteckt zu werden, nur weil ich ne Gebährmutter statt nem Penis habe. Denn ja, es fühlt sich seltsam an, als Frau Ahnung von und Interesse für Themen zu haben, die, wenigsten hierzulande, als eher männlich betrachtet werden. Weil einem suggeriert wird, dass dieses Interesse etwas seltsames ist. So seltsam, dass man für diese merkwürdigen weiblichen Geschöpfe eigene Veranstaltungen anbieten muss. Es könnte daran liegen, dass viele Menschen Probleme damit haben – so ist zumindest mein Eindruck – andere Leute unabhängig von ihrem Geschlecht zu sehen. Und einfach mal nach ihren Fähigkeiten zu beurteilen.  Das trifft auf Männer und Frauen zu. Wenn man sich mal von diesem Scubladen-Denken verabschieden könnte und aus dem Verhaltensmuster ausbrechen könnte, was da heißt „Mädchen und Frauen, die sich für Technik, Physik und andere Naturwissenschaften interessieren, muss man(n) besonders fördern“, hin zu einem „es ist doch selbstverständlich, dass sich jeder Mensch mit den Dingen beschäftigt, die ihn interessieren“ und „man sollte Menschen in dem Gebiet fördern, dass sie besonders gut können“… Protektionismus ist Unterdrückung im Halloween-Kostüm.

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