Von dürren Mädchen und kotzenden Moderatorinnen

Im Fernsehen redet Gundis Zambo, ehemalige (??) TV-Moderatoren (was hat sie eigentlich moderiert?), über ihre 25 Jahre Bulimie. Das „Ich bin geheilt“ glaube ich ihr nicht so ganz, auf die Gefahr, mal wieder zynisch zu klingen, aber ES sind dem Alkoholismus tatsächlich nicht unähnlich, es kann besser werden, man kann sich in den Griff kriegen, aber Heilung? Nach 25 Jahren? Ich bin und bleibe skeptisch – hoffe aber natürlich, dass ihr Optimismus berechtigt ist.

Essstörungen scheinen grade wieder im Trend zu liegen: Bei den privaten Sendern eher die Magersucht, ausgelöst durch diese Frau, die sich für ein italienisches Modelabel nackt fotografieren ließ, und wahrscheinlich auch durch irgendeine Fashion Week, die grade wieder irgendwo stattfindet, bei den öffentlich-rechtlichen ist es eher Zambos Bulimie. Immer wenn ich dachte, das sei endlich durch, kommt wieder so ein sich selbst für ein Reportage-Magazin haltendes Dings auf die Idee, dünne Mädchen vor die Kamera zu ziehen. Ganz ins Absurd-Lächerliche driftete diese Woche Sat.1, ich glaube, es war bei Akte 07: Die Psychologin einer auf ES spezialisierten Klinik redete salbungs- und verständnisvoll in die Kamera, daneben standen ohne jeden journalistischen Mehrwert zwei Mädels, sich mit waidwundem Blick eng umschlungend haltend. Da konnte man sich bildlich vorstellen, wie der / die Redakteur/Redaktöse vor der Aufnahme rumlief, sich die Chicks mit dem traurigsten Augenaufschlag raussuchte und ihnen eintrichterte, jetzt doch mal bitte recht mitleidsheischend darzustellen, wie kalt und groß doch diese Welt, wie wichtig doch der gegenseitige Halt ist. Und wie klein und schwach sie sich fühlen, diese Opfer der… ja, was eigentlich? Der Medienkultur, die beinahe ausschließlich landläufig als untergewichtig bezeichnete Mädchen und Frauen auf den Bildschirm bringt, weil sie schön sein sollen und begehrenswert? Um dann nach der nächsten Werbeunterbrechung Mädchen und Frauen, die auch nicht weniger wiegen als die in der Sendung zuvor, als seelisch und körperlich krank, als Opfer eben des zuvor propagierten Schönheitsideals darzustellen?

Natürlich sind nicht die Medien schuld. Niemand enwickelt eine psychosomatische Störung, weil er im Fernsehen, in einer Zeitschrift oder auf einem Plakat ein dürres Model sieht. Einen Einfluss des Schönheitsideals auf das Selbstbewusstsein junger Menschen kann man selbstverständlich nicht wegdiskutieren. Aber das ist ein Verstärker, kein Auslöser.
In noch einer Hinsicht vertun sich die Möchtegern-Reportagen: Nicht alle Menschen mit einem gestörtem Essverhalten laufen den ganzen Tag als sauertöpfische, lebensmüde Opfer durch die Gegend. Ich wage zu behaupten, bei den meisten merkt man gar nichts, über sehr, sehr lange Zeit.

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