Qual der Berufswahl

Den Tag der deutschen Einheit habe ich dazu genutzt, mich mit meinem Seminar zu versöhnen. Das Feedback sagte mir ungefähr das, was ich immer höre. Beruhigt mich einerseits, ein bisschen Ahnung scheint der Mann zu haben, der das da bewertet, denn dem Urteil der Leute, die mich sonst noch kritisieren, vertraue ich (was nicht bedeutet, dass ich alles annehme, keineswegs). Andererseits sollte ich vielleicht wirklich mal meinen Stil überdenken. Wozu ich aber ehrlich gesagt wenig Lust habe. Lieber möchte ich noch ein wenig über meine Profession motzen – meckern um des Meckern willens, ohne je was zu ändern, ist ja trés chic in diesem Land, passe ich mich also an.

Das Problem ist wohl, dass ich lediglich aus Mangel an Alternativen geworden bin, was ich bin (bzw. gerade noch werde).
Für Frisöse war ich zu überqualifiziert, sagten zumindest alle anderen.
Ein Jurastudium fand ich sehr spannend, bis ich dann herausfand, wie lange das Studium dauert. Und dass man in Deutschland keine flammenden Plädoyers vor Geschworenen hält, schon aus Mangel an Geschworenengerichten.
Tierärztin sein wollt ich nicht, das war zu Mädchen, außerdem hab ich Angst vor Spritzen.
In allen anderen praktischen medizinischen Berufen kommt man Menschen zu nahe, auch denen, die schlecht riechen oder komische Körperflüssigkeiten absondern. Außerdem dauert ein Medizinstudium auch viel zu lange. (und Spritzen gibt´s da auch)
Die einzige Alternative zum Schreiben wäre ein Bio- oder Biochemie-Studium gewesen. Naturwissenschaften habe ich mir aufgrund meiner mathematischen Unfähigkeit aber nicht zugetraut. Bei Biologie wären dann auch noch Photosynthese, Ökologie und ähnlich mäßig interessanter Kram dazugekommen, da fehlte mir die Lust.
Und Germanistik, Germanistik führt zu nichts.

Da sitze ich dann also seit zehn Jahren und schreib Artikel, mal mehr, mal weniger regelmäßig. Auch, wenn ich mal ernsthaft versuche, was anderes zu tun, lande ich an einem Schreibtisch und – schreibe.

Mein Vater hat sich mit etwa 30 noch einmal komplett umorientiert, um mit jetzt Mitte 40 noch mal in eine ganz andere Richtung zu gehen. Mir ist also klar, dass ich nicht mein Leben lang tun muss, was ich jetzt tue. Unter anderem deswegen habe ich ja nicht Journalismus studiert, um mich nicht zu früh festzufahren. Mir fehlt die Biologie ein wenig. Vielleicht setz ich wirklich noch mal was drauf, nach dem Volo, und wenn auch nur, um dann wissenschaftsjournalistische Artikel zu schreiben.

(Disclaimer: Nicht immer alles zu ernst nehmen. Trotz ewiger Lebenskrisen mag ich meinen derzeitigen Job. Ich such halt immer noch nach mir und nach dem, was ich mich zufriedenstellt. Vielleicht gibt es da ja auch nichts zu finden. Was weiß ich.)

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