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BILDungsmisere

November 21, 2008 · Kommentar schreiben

eigentlich ist es müßig, was zu franz josef wagners kolumne über die aktuellste pisa-studie und die sächsischen schüler zu schreiben. haben andere auch schon getan. recht ausführlich, teilweise, und ich kann da nur zustimmen.

erschreckend aber FWJs unkenntnis, was satzbau anbelangt – von der völlig fehlenden argumentationslinie will ich gar nicht erst anfangen.  (nein, ich verlinke jetzt nicht direkt auf den Bild-artikel.)

eine gewisse abneigung gegen streber kann ich nachvollziehen, obwohl, oder vielleicht auch gerade weil ich wesentliche jahre meiner kindheit damit verschwendete, selbst einer zu sein. das renkte sich mit der pubertät wieder ein, weil ich begann, ein soziales leben zu haben, weil meine konzentrationsfähigkeit über die jahre kontinuierlich nachließ, und auch, weil ich merkte, dass meine noten nicht sonderlich leiden, wenn ich andere prioritäten setze. ich bin aber auch in NRW zur schule gegangen – ich weiß nicht, ob es heute noch genauso ist, aber damals reichte dort eine gewisse grundintelligenz, um mit wenig aufwand einigermaßen durch die schule zu kommen. die abneigung gegen streber beruhte weniger auf deren schulnoten – meine waren ja auch ganz gut – als auf ihrem ansonsten asozialen verhalten: nicht abschreiben lassen, immer erster sein wollen, schule, noten, den eigenen erfolg wichtiger nehmen als alles andere.

ich kann ebenfalls nachvollziehen, dass man in einem bestimmten alter einiges, vieles, alles wichtiger findet, als schule. und dass es viele verschiedene wege gibt, wie man lernen kann, und viele verschiedene orte, an denen man was lernen kann.

als ich der pubertät entwuchs, merkte ich aber auch, dass nicht jeder wissenshungrige, neugierige mensch ist ein „klugscheißer“ ist oder ein streber. dass meine abneigungen sich nicht gegen das lernen an sich richteten, sondern gegen ein schulsystem, das für leute, denen auswendiglernen, strukturiertes vorgehen und autoritätenhörigkeit eher weniger liegen, nicht geeignet ist. an diesem wird ja heute gearbeitet, mal mehr schlecht als recht und über´s knie gebrochen – man denke etwa an die nur mäßig gelungene einführung von G8 in den westlichen bundesländern. es liegt noch immer einiges im argen, immer noch ist viel zu viel von der person des lehrers, von seinem elan und seinem engagement abhängig und noch immer gibt es, zumindest an den schulen, die ich kenne, lehrer, denen jegliche begeisterung, jegliches interesse für ihren job schon vor jahren abhanden gekommen ist, die aber trotzdem noch lange, zu lange, weitermachen werden, weil sie bequem verbeamtet sind. es scheint sich aber an einigen orten ein bisschen was zu bewegen, wie man jetzt an sachsen sieht (wenn man denn der pisa-studie vertrauen und die studien-ergebnisse auf die schulische realität übertragen kann, was aber noch mal eine ganz andere geschichte ist).

und darüber sollte man sich verdammtnochmal freuen. man sollte sich über neugierige, wissenshugrige kinder freuen. was für ein mensch muss man eigentlich sein, kindern zu vermitteln, ohne schulbildung lebe es sich doch viel cooler, schließlich könne man ja solche traumberufe ergreifen wie bild-kolumnist? hat die bild-zeitung angst, ihre leser zu verlieren, wenn die schüler besser in der schule werden (bzw. genauer gesagt, besser bei der pisa-studie abschneiden)?

Kategorien: Das Politbüro · Die Wuthöhle · so confused, when you´re lost in the groove

Langfristplanung

September 1, 2008 · Kommentar schreiben

It has been a hell of a week.

Es geht aber wieder besser. Ich heule zwar noch immer in den unmöglichsten Momenten los, es geht aber wirklich wieder besser.

Dazu führte auch die Einsicht, dass ich ganz ohne Pläne nicht mehr auskomme. Ich kann und will nicht mehr warten, dass die Zukunft mir passiert. Außerdem bin ich eines morgens aufgewacht und wusste plötzlich wieder, warum ich meinen Job urspünglich machen wollte: Um die Welt zu sehen (weswegen ich auch mal kurzzeitig Archäologin werden wollte, damals, mit acht oder so).

Kein sonderlich anspruchsvoller oder origineller Plan, zugegeben, wer will die Welt bitte nicht sehen?
Trotzdem will ich das jetzt angehen: D-Day ist der 25.11.2011. Für mich ungewöhnliche Langfristplanung. Doch das lässt mir noch eine Menge Zeit, mich um Route, Logistik und – der heikelste Punkt – Finanzierung zu kümmern. Und Erfahrungen zu sammeln. Das „Wann“ steht, das „Wie“ wird in den folgenden drei Jahren ausgearbeitet.

Ich schreibe das jetzt auch nur auf, um es selbst nicht wieder zu vergessen oder irgendwann wieder so im Alltag vergraben zu sein, dass ich meine Ziele aus den Augen verliere.

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scheiß glatzen, raus aus meinem haus!

März 31, 2008 · 2 Kommentare

da nimmt man sich seit jahren vor, zivilcourage zu zeigen, bemüht sich darum, ach so pc zu sein – aber was macht man dann nachts, als frau, allein gegenüber drei angetrunkenen, gewaltbereiten rechten hooligans? außer sämtliche anarchistische ideale zu verraten und nach der staatsgewalt zu rufen? also, ganz ehrlich jetzt – wie verhalten, wenn man grade einfach zu viel arbeit hat, um die nächsten tage im krankenhaus zu verbringen?
ich hab jedenfalls keinen bock mehr, dass jemand vor meiner haustür rechte parolen brüllt und türen zerdeppert. was schlaueres oder kreativeres als eine anzeige ist mir da wirklich nicht eingefallen.

aus der reihe: sonntag nach in moabit

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…i´m still just a rat in a cage.

März 17, 2008 · Kommentar schreiben

noch 5 monate, 14 tage.
solange kopf hoch, durchatmen, weitermachen.

und nun: gute nacht, zusammen.

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Despite all my rage…

März 8, 2008 · 1 Kommentar

Heute ist Weltfrauentag. Da ich mich überhaupt nicht um irgendwelche Tage schere, habe ich das natürlich erst mitbekommen, als ich mich heute morgen ein bisschen durch meinen Feedreader klickte.
Hier mal einfach ein paar gesammelte, ungeordnete, wütende und daher komplett polemische Gedanken:

Mein Problem mit dem Feminismus bzw. mit vielen Frauen, die sich Feministinnen nennen: Ich will mir nicht vorschreiben lassen, wie ich zu leben oder zu denken habe. Es macht mich wütend, wenn Menschen es trotzdem versuchen. Und viele Feministinnen (und Feministen) probieren leider immer wieder, anderen klar zu machen, was denn gut und richtig und politisch ach so korrekt ist und was man als emanzipierter und aufgeklärter Mensch auf gar keinen Fall tun oder sagen oder denken sollte. Pornographie ist böse, Binnen-I ist gut.

Liebe Leute, Frauen, Männer, alles dazwischen: Ich hab da keinen Bock drauf.
Wenn ich Pornos sehen will, guck ich welche, wenn ich der reinen Faulheit wegen nur „männliche“ Formen benutzen will, dann mach ich das eben. Wer seid ihr denn, darüber zu urteilen, ob das richtig oder falsch ist?
Und wenn ich irgendwann in den nächsten Monaten im Kinosessel sitzen werde, um Angelina Jolie anzustarren, wie sie in „Wanted“ in knappen Klammotten durch die Gegend rennt und dabei unglaublich heiß aussieht, und ich sie dabei rein als Objekt der Begierde betrachte, wie ein paar teurer High Heels, oder wenn ich „Fightclub“ aus dem einzigen Grund sehe, um Brad Pitt auf seine unbeschreiblichen Bauchmuskeln zu reduzieren – dann ist es mir scheißegal, ob irgendjemand das politisch nicht korrekt findet. Und wenn ich mich dann in der nächsten Minute darüber aufrege, dass Mütter in diesem Land immer noch eine andere Behandlung erfahren als Väter, dass Männer immer noch mehr verdienen als Frauen, dass Menschen immer noch aufgrund zufälliger biologischer Gegenbenheiten beurteilt werden, dass man immer noch in den Kategorien männlich / weiblich denkt – da nehme ich mich ja nicht aus – dann bleibt dieser vermeindliche Widerspruch eben einfach mal so stehen.

Ich entscheide, wie ich lebe. In diesem Land habe ich auch relative Freiheit, das zu tun. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Freiheit an Grenzen stößt, werde ich versuchen, gegen diese Grenzen anzurennen. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Freiheit anderer hier oder anderswo an Grenzen stößt, werde ich auch gegen diese Grenzen anrennen, soweit es in meinen Möglichkeiten liegt (und ich Zeit und Lust habe, ja, call me asshole). Das ist nicht feministisch, das ist selbstverständlich. Und egoistisch vielleicht auch. Mir egal.

Allen anderen ist das wahrscheinlich auch egal, musste aber mal (wieder) raus.

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StudiVZ darf petzen und freut sich ´n Ast

Februar 28, 2008 · 2 Kommentare

WTF?
StudiVz-Geschäftsführer Markus Riecke hat SPON ein – euphemistisch ausgedrückt – interessantes Interview gegeben (via poldi). Interessant nicht nur, weil SPON den Text zunächst bildzeitungslike mit einem recht frei ausgelegten Zitat aufmachte („Gott sei dank dürfen wir Kiffer-Fotos jetzt den Behörden geben,“ hieß es dort wohl zu Beginn, was Riecke aber so nie sagte), die nach einer Richtigstellung von Riecke allerdings entfernt wurde (via netzpolitik.org).

Seltsam aber, wie begeistert sich Riecke davon gibt, endlich, endlich den Ermittlungsbehörden im Verdachtsfall Nutzerdaten herausgeben zu dürfen. Oder warum sagt der „Gott sei Dank…“? Warum findet er es so toll, petzen zu dürfen? Naja, irgendwie auch schön, dass Menschen sich noch über Kleinigkeiten freuen können…

Gut, wer sich jetzt beim Kiffen fotografieren lässt, diese Fotos dann bei StudiVZ hochlädt, nachdem er dort auch noch der Speicherung seiner Daten zugestimmt hat – beängstigend, dass es anscheinend so hirnlose Studenten gibt – also, wer so dämlich ist, der hat eigentlich eine Abreibung verdient. Nur zu befürchten hat er sie nicht. DrogenKONSUM ist in Deutschland nicht strafbar, lediglich der Besitz, Anbau, Erwerb und Verkauf. Was auch unsinnig ist, aber ein ganz anderes Thema.

Weitere Fragen: StudiVZ erhält zehn, ZEHN Anfragen von Ermittlungsbehörden in der Woche? Beängstigend…
Auffällig auch, dass Riecke in einem Satz davon spricht, dass einige dieser zehn Anfragen sich auf Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch Fake-Profile bezögen, im nächsten Satz aber versichert, dass es auf StudiVZ kaum Fake-Profile gäbe, weil eine gefälschte Identität dort total sinnlos sei (jaja, mindestens so sinnlos wie bei Facebook…).

Der witzigste Satz überhaupt ist aber, wenn Riecke zum Thema personalisierte Werbung sagt: „Es geht uns hier nicht um das Werbegeld.“ THAT really made my day!

UPDATE: Eine Antwort der „anderen Seite“TM, so eine Art erweiterte „Richtigstellung“ (ließ: Verschlimmbesserung) und die wiederum passenden Antworten darauf gibt es – wo sonst – in den Kommentaren der Blogbar.


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Licht an, aber richtig

Dezember 8, 2007 · Kommentar schreiben

über Googles Scherze möchte ich heute keine Worte verlieren, die Konkurrenzaktion ist m.E. ein bisschen sinnvoller.

bild31.jpg

Wenn jetzt noch jemand Energiesparlamen erfindet, die weniger surren und schöneres Licht machen, wechsel ich auch im Schlafzimmer aus.
Mein Lieblingsweg zum Energiesparen ist es eh, Tierkadaver oder Körperflüssigkeiten von lebenden Tieren nicht auf der Speisekarte stehen zu haben. Wie viel CO2 sinnlos für die Nutztierproduktion und -transportation vergeudet wird, macht mir ja schon seit Jahren Kopfschmerzen. Noch mehr sinnvolle Tipps hier.

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Der Spiegel nervt auch

Dezember 3, 2007 · 1 Kommentar

Der Spiegel basht in der neuesten Augabe kurz und knapp die neue Kinder-Suchmaschine FragFinn.de. Das Portal soll jungen Nutzern sicheres Surfen ermöglichen. Gut, es gibt schon einige Websites, die ähnliche Ziele verfolgen, BlindeKuh.de wahrscheinlich das prominenteste oder zumindest mir bekannteste darunter (da lassen sich nämlich tolle Plätzchenrezepte finden), das auch Altersempfehlungen für die einzelnen Suchergebnisse angibt. Über den Sinn von Finn lässt sich also streiten.

Dennoch haut Spiegel hier etwas überzogen auf die Kacke. Wörtlich: „Wer etwa Terror eingibt, bekommt als erste Treffer die Seiten der US-amerikanischen und der japanischen Botschaft [...] bei „Sex“ landet man auf einer Kaninchenhalterseite.“

Stimmt so nicht.
Für das Suchwort „Terror“ taucht die amerikanischen Botschaft an zweiter Stelle auf, was ganz einfach daran liegt, dass der Begriff dort überdurchschnittlich häufig benutzt wird. Die japanische Botschaft finde ich erst auf Seite zwei, das erste Ergebnis ist eine Kinder-Nachrichtensite. (Google liefert auf Platz eins terror.to, Free Sex Videos and Galleries, das nur am Rande…)
Beim Suchwort „Sex“ spuckt Finn tatsächlich eine Kanickelwebsite aus (Kaninchen rammeln nunmal viel, das wissen wohl auch Kinder), allerdings weit hinter z.B. juniorbotschafter.de, einer Seite der UNICEF, die Kindern und Jugendlichen was über „wahre Liebe, das erste Mal, Lust und Frust, Freundschaft und Sex“ erzählt.
„Marihuana“ findet die Seite wirklich nicht – aber welcher Achtjährige kann das Schreiben? Oder will das rauchen? Sind die wirklich schon so frühreif? Zum übergeordneten Begriff „Drogen“ gibt´s ne Menge durchaus sinnvolle Informationen, und „Cannabis“ findet Finn auch.

Ja, die Suchergebnisse von BlindeKuh.de bringen für die oben genannten Suchworte mehr und bessere Informationen als FragFinn (Marihuana gibt´s dort aber auch nicht). Doch kann man Finn „weittgehend unbrauchbare Adressen“bescheinigen?
Bestimmt nicht, wenn man dann nach „Vergewaltigung“ oder „Gewalt“ sucht, da gibt´s Kinderschutzzentren, Telefonseelsorge, Hilfe online und offline. Für „Selbstmord“ finde ich die Ergebnisse hier sogar besser als bei der BlindenKuh – da erfährt man was über die Kultur der Samurai und die Stunde Null, Finn liefert die Telefonseelsorge und „Freunde statt Selbstmord„.

Hallo, Spiegel? Selektive Wahrnehmung?
Gut, ein kleiner Zweispalter, 24 Zeilen lang, der mir nur aufgefallen ist, weil ich in einer ähnlich kleinen Meldung auf Finn hingewiesen habe. Dennoch, was soll dieser aggressive Ton, der dort angeschlagen wird? Da fehlt doch jeder Versuch von Objektivität.

Anscheinend richtig mangelhafte Recherche war bei dem Artikel über Phizers Medikamententest während einer Meningitis-Epidemie in Afrika im Spiel. Vielleicht haben die Opfer auch falsche Angaben gemacht, waghalsige Spekulation: vielleicht aus Hoffnung auf Schmerzensgeld (wie gesagt, lediglich Spekulation). Jedenfalls wurde eines dieser angeblichen Phizer-Opfer scheinbar mit einem Medikament einer ganz anderen Firma behandelt. Diese Entwicklung, die m.E. doch ein etwas anderes Licht auf den ganzen Prozess wirft, war dem Spiegel dann auch eine lapidare etwa 7 Zeilen lange Richtigstellung unter den Leserbriefen wert.

Was soll das?

Kategorien: Die Wuthöhle

Free Magenta

November 30, 2007 · Kommentar schreiben

Kategorien: Die Wuthöhle

Links`n`zeugs

November 17, 2007 · Kommentar schreiben

Endlich Richard Dawkins Gotteswahn ausgelesen, endlich muss Stefan Aust beim Spiegel gehen (na ja, erst 2008, aber Vorfreude ist die schönste Freude)… aber für ein vernünftiges Postings sitzen meine Nebenhölen noch zu sehr zu, daher heut nur Links:

Oliver Gehrs über Stefans Aust: taz.de

Thomas Knüwer über die Best of the Blogs-Verleihung der Deutschen Welle

Volker bei Pachulke über Positive Blogging

und ein bisschen Katzencontent.

Kategorien: Die Wuthöhle