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Beiträge vom April 2008

Neue deutsche Mädchen und Photoshop (UPDATE)

April 24, 2008 · Kommentar schreiben

Ich weiß nicht, vielleicht geht es ja nur mir so. Ich finde es allerdings schon auffällig, wenn das Foto zweier Autorinnen eines feministischen Buches so eindeutig gephotoshopped wurde, um die beiden auf Standard-Barbies zu trimmen. Natürlich will jeder auf Fotos, besonders auf offiziellen, attraktiv erscheinen (und dass ich mir auf meinen Fotos ähnlich sehe, kann ich auch nicht behaupten, wahrscheinlich habe ich damit schon häufiger einen Kulturschock ausgelöst). Warum aber diese Barbiefizierung (beim Kaffeeklatsch dann auch noch, ausgerechnet)?

Sind Frauen um die 30 eigentlich noch Mädchen?

Aber wie gesagt, vielleicht bin ich da gerade überempfindlich.

Wie dem auch sei, wem es um die Inhalte geht, der kann hier jetzt das Protokoll nachlesen.

(Und heut abend werd ich dann Germanys Next Topmodel gucken und jegliche auch nur ansatzweise feministische Kritik aus meinem Hirn verbannen. Soviel dazu.)

Kategorien: Das Gleichstellungsbüro

Chat mit „Neuen deutschen Mädchen“

April 23, 2008 · 2 Kommentare

tagesschau.de und politik-digital.de chatten am Donnerstag, 24.04., von 13 bis 14 Uhr mit Jana Hensel und Elisabeth Raether zu ihrem Buch „Neue deutsche Mädchen“.

Hier kann man schon Fragen stellen.

Anlass ist übrigens der Girls Day, der am Donnerstag stattfindet. An diesem Tag sollen junge Mädchen einen Einblick in „typische Männerberufe“ bekommen und dafür begeistert werden.

Kategorien: Das Gleichstellungsbüro

Music´s what I´m living for

April 17, 2008 · Kommentar schreiben

Musikumfrage und ich mache einfach mal mit (gesehen bei Anke Gröner).

1. Nenne einen Song, dessen Text dich ganz besonders berührt und begründe.

Placebo – Slave to the Wage.
Obwohl berühren im Sinne von emotional berühren nicht ganz der richtige Begriff ist. Es ist einfach der Text, der am besten ausdrückt, wie ich mich die meiste Zeit meines Lebens fühle – egal wo ich bin, egal was ich tue, damals in der Schule, während meiner Studienzeit in dieser bepissten Kleinstadt und sogar hier in Berlin. Natürlich geht es in dem Lied um viel mehr als persönliche Befindlichkeiten, natürlich ist es (wenn auch meiner persönlichen Meinung nach etwas pubertäre) Sozialkritik – aber gleichzeitig ist es auch der Song, der mir bei aller Wut und bei aller Unzufriedenheit sagt, dass es weitergeht und dass es nur an mir liegt, wo und wie.

Run Away From All Your Boredom
run Away From All Your Whoredom
and Wave Your Worries
and Cares Goodbye
all It Takes Is One Decision
a Lot Of Guts
a Little Vision
to Wave Your Worries
and Cares Goodbye

sick And Tired Of Maggie´s Farm
she´s A Bitch With Broken Arms

it´s A Maze For Rats To Try
and Its A Race For Rats To Die
run Away

2. Nenne einen Song, dessen Musik dich ganz besonders berührt und begründe.

Ich muss zwei nennen, einen negativen, einen positiven.

Negativ: Radiohead – Exit Music For A Film
Habe ich im Herbst vorletzten Jahres sehr oft gehört, damals ging es mir recht schlecht. Ich kann es bis heute nicht ganz hören ohne ein flaues Gefühl im Magen zu bekommen.

Positiv: The Killers – The River Is Wild
Ja, es ist kindisch, ja, das Lied ist trashig – aber ich bekomme so unbedingt gute Laune dabei. Und es wirkt immer, wirklich immer. Mein zuverlässigsest Anti-Depressivum.

3. Welchen Song hättest du gerne geschrieben und warum?

Hurt. Weil ich die Textzeilen „And you could have it all / My empire of dirt / I will let you down / I will make you hurt“ zu gerne für mich beanspruchen würde.

4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of.

– DÖF – Codo. NDW – meine Kindheit halt.

- Silverchair – Anas Song. Altes Lieblingslied. Zunächst losgelöst von jeglicher Bedeutung. Dann nicht mehr. Jetzt wieder bedeutungslos, die Melodie mag ich aber immer noch.

- Placebo – Pure Morning. Weil mir da zum ersten Mal wirklich bewusst wurde, dass es andere Musik gibt als die, die im Dudel-Radio läuft (damals lief Placebo noch nicht im Dudel-Radio). Den Ausschlag gab eigentlich das Video. Seitdem ich es das erste Mal bei Viva II sah, war ich leidenschaftlicher TwoRock-Seher. Meine Welt brach zusammen, als Markus Kavka Viva II verließ. Das Universum kollabierte, als Viva II schließlich eingestellt wurde. Geblieben sind Placebo, auch wenn sie den Status als meine Zweit-Lieblingsband nicht halten konnten. (Falls hier irgendjemand mitlesen sollte, der nicht mehr mitbekommen hat, wie umwerfend großartig Viva II war – Verschwinde von dieser Seite und geh Daumenlutschen, du Kind!)

- HIM – Join Me. Noch mehr Trash, diesmal richtig peinlicher. Aber zu diesem Lied bin ich volljährig geworden – daher gehört es definitiv zum Best-of (and real men wear eyeliner. Dazu steh ich immer noch.)

- Muse – Muscle Museum. Mein Alltime-Ohrwurm. Diese Melodie habe ich immer, 24/7 im Kopf. Letztens habe ich es dann zufällig im Radio gehört – und es ist immer noch ein verdammt bewegender Song, zum Auf-dem-Boden-wälzen, von der verdammt besten Liveband dieser Erde.

5. Und zum Schluss: Welche Platte beschützt du wie deinen Augapfel?

Platte? Wie, jetzt?
Nein, Quatsch, eigens Vinyl besitze ich aber tatsächlich nicht und meine CDs sind irgendwie auch austauschbar geworden. Wenn ich aber nur eine auf eine Insel ohne Internetanschluss und ohne MP3-Abspielmöglichkeit mitnehmen dürfte — vielleicht Best Of The Doors. Weil es mich wahrscheinlich am wenigsten nerven würde.

Kategorien: Die Popcornmaschine

ich bin mit der gesamtsituation unzufrieden

April 16, 2008 · Kommentar schreiben

mein problem ist, dass ich genau das in den arsch geblasen bekomme, was alle wollen, es aber nicht zu schätzen weiß. zumindest das ist mir bewusst.
ich habe allerdings nie darum gebeten, irgendetwas in den arsch geblasen zu bekommen.

wohlstandsgejammere. nur wohlstandsgejammere.

Kategorien: jammern auf hohem niveau

Film Hero

April 14, 2008 · Kommentar schreiben

Tony Montana (Scarface) : 72%
Indiana Jones : 70%
Eric Draven (The Crow) : 70%
Jim Levenstein (American Pie) : 69%
Hannibal Lecter : 69%
Batman / Bruce Wayne : 68%
Maximus (Gladiator) : 68%
Schrek : 67%
Néo (Matrix) : 64%
James Bond : 63%
Yoda (Star Wars) : 61%
Forrest Gump : 58%

Quel héros de film es-tu ?

Na von mir aus. (Ich habe bei Are you athletic? ganz klar No! angekreuzt. Wieso da 70% Übereinstimmung mit Indiana Jones rauskommen – who knows…)
Aber warum sind da keine Frauen bei? ah, okay, gefunden. und ich verwehre mich in aller form gegen platz 2!

Beatrix Kidow (Kill Bill) : 75%
Baby (Dirty dancing) : 74%
Ellen Ripley (Alien) : 72%
Leeloo (The fifth élément) : 71%
Jean Grey (Xmen) : 70%
Catherine Tramell (Basic instinct) : 69%
Vivian Ward (Pretty woman) : 68%
Michelle (American pie) : 68%
Trinity (Matrix) : 62%
Bridget Jones : 60%

Quelle héroïne de film es-tu ?

Kategorien: Die Popcornmaschine · so confused, when you´re lost in the groove

konzentration, bitte

April 12, 2008 · Kommentar schreiben

habe gerade mit schrecken festgestellt, dass ich dieses jahr bis jetzt genau ein buch durchgelesen habe. und das war ausgerechnet frank schätzigs „schwarm“, ein weihnachtsgeschenk, gerechterweise sei gesagt, dass es dann doch besser war als erwartet, mit einer unglaublichen akribie recherchiert, wenn auch etwa 200 seiten zu lang.

danach habe ich es weder geschafft, „i am legend“ zuende zu lesen, oder „ubik“ oder „der prozess“ oder „hot topcs“ oder oder oder. alles angefangen, alles liegt in einer anderen ecke meiner wohnung und wird wahrscheinlich bis zu meinem auszug nicht mehr angerührt werden.

im moment hänge ich – schon sehr, sehr lange – bei den „wohlgesinnten“ fest, da ich nach 100 seiten dieses 1300-seiten-wälzers immer den unwiderstehlichen drang bekomme, etwas anderes lesen zu müssen, was gar nichts mit der zweite weltkriegs-thematik oder der täterperspektive zu tun hat, vielmehr will ich der analen fixierung des autors entkommen, dieser kindlichen faszination für exkremente, die aus mindestens jeder dritten seite quellen. auf die dauer ist mir diese, buchstäbliche, scheiße zu anstrengend. und die effektheischerische provokation zu deplaziert.

keine ahnung, wo die ursachen für meine derzeitige hardcore-buch-ads liegen. es könnte der beständige lärm aus der wohnung unter mir sein (der jetzt seit 15 tagen gar nicht mehr aufhört, und ich meine GAR NICHT mehr, weder tags noch nachts, trotz mehrerer anzeigen, einem mittlerweile sehr hohem bußgeld und dem versuchten einschreiten des vermieters), der dadurch verschuldete schlafmangel, vielleicht auch, dass ich doch wieder mehr zeit mit sport verbringe oder häufig aus dieser wohnung flüchte und meine bücher dabei nicht mitnehme.

vielleicht hat sich mein hirn aber auch schon komplett verabschiedet. ich werde kontinuierlich dümmer, je mehr zeit ich vor dem  bildschirm meines rechners verbringe, ich fühle geradezu meine gehirnzellen absterben.
nein, selbstverständlich stimmt das nicht ganz. ich merke aber, dass die arbeit am computer meine ads verstärkt. online-journalismus war in dieser hinsicht natürlich keine gute wahl. was auch belegt, dass dieser eintrag eigentlich in eine ganz andere richtung gehen sollte, ich in den 10 minuten, die ich hierfür brauchte – auch das unverhältnismäßig lange – schon wieder vergessen habe, in welche eigentlich. frau g., bitte wenden sie sich an den neurologen ihres vertrauens…

Kategorien: so confused, when you´re lost in the groove

Häh?

April 10, 2008 · Kommentar schreiben

Frage im tagesschau-PreChat mit Hüppe zur Stammzellendebatte – mal ganz ehrlich: Häh?
Das ist die bei weitem unverständlichste Frage, die mir in diesen Chats je untergekommen ist.
(Ich versteh, worauf die Person hinauswill. Nur trägt der verquere Satzbau nicht grade zum Verständnis bei.)

„Verweist die Missachtung der Lebensrechte und Menschenwürde des Embryos nicht auch die werterelativistische Grundhaltung unserer Gesellschaft, die in ihrer Auffassung, dass eine absolute Wahrheit nicht erkannt werden könne, nun auch in tragischer, wenn auch logischer Konsequenz die Menschenrechte angreift?“

Kategorien: Schöne Worte · so confused, when you´re lost in the groove

Stammzellen zum letzten

April 10, 2008 · Kommentar schreiben

Ich habe sehr lange für meine Meinungsfindung in der Stammzellenfrage gebraucht. Erst heute, kurz vor 12 sozusagen, einen Tag vor der abschließenden Bundestags-Debatte bin ich mir mit mir selbst einigermaßen einig geworden.
Ich neige zu absoluten Antworten, verabscheue Wischi-WaschiKompromisse – ja oder nein, entweder oder, ab nicht so etwas Unbestimmbares dazwischen. Im Zusammenhang mit den morgigen Anträgen hieße dies Hüppe oder Flach, komplettes Verbot der Forschung an embryonalen Stammzellen oder die totale Liberalisierung. Der Stichtag ist ein fauler Kompromiss, bedeutet er doch, dass Embryonen, die vor dem 1. Januar 2002 hergestellt wurden, weniger Menschenwürde besitzen als jüngere Embryonen. Eine Aufweichung des Stichtags ist damit ein noch faulerer Kompromiss.

Doch diese Argumentation hakt ganz gewaltig. Ich bin für ein generelles Recht auf Leben – und Leben beginnt bei mir halt schon ab dem recht frühen Zeitpunkt der Verschmelzung von Eizelle und Spermie. Andererseits bin ich für Forschungsfreiheit. Die embryonalen Zellen, um die es in dieser Diskussion geht, wachsen ja auch nicht im Mutterleib heran, sie sind bei der In-Virto-Befruchtung „übriggeblieben“. Wenn sie nicht in der Forschung zum Einsatz kommen, frieren sie in aller Ewigkeit in Stickstoff vor sich hin, denn für was anderes verwenden darf man sie ja auch nicht. Warum also nicht was sinnvolles damit anstellen?

Aber darf man ein Leben für ein Leben aufwiegen? Sind im Reagenzglas erzeugte embryonale Zellen Menschen, potenzielle Menschen oder einfach „nur Zellen“? Entscheidet die Art der Zeugung, der Herstellung darüber, ob einem Haufen Zellen die Menschenwürde zuerkannt wird? Darf man in Anbetracht dieser einiger weniger Zellen überhaupt schon von Menschenwürde sprechen? Ist man kaltherzig, wenn man es nicht tut? Muss man diese Diskussion mit ethischen Aspekten überemotionalisieren – sollten in wissenschaftlichen Fragen nicht besser wissenschaftliche Argumente zählen?
(Und, etwas anderes Thema, sollten sich vor allem die Religionsvertreter nicht endlich mal aus der Wissenschaft heraushalten und beten gehen?)

Viele der wissenschaftlichen Argumente dieser Debatte erschienen mir nun sehr einleuchtend, sowohl die der Stammzell-Gegner wie die der Befürworter. In der letzten Woche hatte ich nun die Gelegenheit, mich noch ein wenig intensiver mit ihnen zu beschäftigen. Natürlich auch durch ideologische Überzeugungen gefärbt (ich hospitiere gerade im Büro von jemandem, der federführend für einen der vier Bundestags-Anträge verantwortlich ist). Ich kann natürlich nicht sagen, inwieweit das meine Meinung beeinflusst. Ich denke aber nicht, dass ich plötzlich zur gläubigen Katholiken mutieren würde, säße ich eine Woche in Bayern bei der CSU. So leicht zu brainwashen bin ich dann doch nicht – und bin entfremdet genug von meiner Arbeit, um zwischen meiner Meinung und der meines Arbeitgebers zu differenzieren.

In den letzten Tagen stieß ich gehäuft auf Aussagen von Experten, von Biologen und anderen Forschern, die keine gefahr durch Verunreinigung der älteren Stammzelllinien sehen, die die Tumorgefahr durch embryonale Stammzellen betonen und die auf die Forschung an adulten Stammzellen setzen. Überhaupt ist da die Frage, was die Forschung an embryonalen Stammzellen eigentlich bringt. Ein großer Durchbruch ist bis jetzt noch nicht gelungen.
Eine komplette Ablehnung der Stammzellenforschung würde mich jedoch in den Augen vieler in dieselbe fundamentalistisch-religiöse Ecke drängen, in die mich meine Haltung zur (oder besser gegen) die Abtreibung stellt. Obwohl, wie eigentlich klar sein sollte, ich mit Religion nun wirklich nichts am Hut habe (und ich mich auch in der Abtreibungsfrage von meinem kompromisslosen Standpunkt mehr und mehr entferne. Was nicht heißen soll, dass ich irgendwann dafür sein werde, Babys zu töten).
Eine totale Freigabe embryonaler Stammzellen habe ich zur reinen Provokation mal ab und zu gefordert – doch immer mit Bauchgrímmen (vielleicht waren es ja meine Eizellen, die sich da zu Wort meldeten).

Den letztlichen Ausschlag gaben heute dann ein Leitartikel in der Welt (ja, ausgerechnet) und dieser Artikel in der taz: „Mein Ei gehört mir.“ Diese Argumentation finde ich bis jetzt am schlüssigsten.

Ein bisschen erschreckend ist es ja schon, wenn man mit 26 plötzlich feststellt, in der Realpolitik angekommen zu sein.

Kategorien: Das Politbüro

Lord of the Blogs oder der Einfluss der deutschen Kultur auf E-Partizipation

April 7, 2008 · 1 Kommentar

Sehr hübsch: Das britische House of Lords bloggt und nennt das ganze Lord of the Blogs. Aus dem About:

„The aim of the blog is to help educate, raise awareness and engage with the public on a range of issues relating to the role and business of the House of Lords.

The blog is authored by a group of Members from across the House. Each Member has their own profile and personal section of the blog. A ‘homepage’ provides an at-a-glance digest of the latest post from each Member.
Each Member will make a regular and short written entry providing an insight into the business of the House of Lords, and their own particular activity in and around the Lords Chamber.“

(and they seem to be responsive and really interested in dialogue, as far as I can judge from the first entries and comments)

Am Wochenende hatte ich eine kurze Diskussion über die Einflüsse der „deutschen Kultur“ auf E-Partizipation geführt. (Gut, ein Blog ist nicht gleich ein Partizipationsprojekt, eröffnet aber Einblicke ins politische Geschehen, die es auf den offizielleren Seiten nicht so gibt, trägt damit zur Transparenz und zum Verständnis demokratischer Abläufe bei, so dass ich politische Blgs / Blogs von Politikern zumindest mal zur E-Demokratie zähle).

Zurück zur Diskussion über „deutsche Kultur“ und E-Partizipation. Mein Gegenüber kritisierte ein wenig die These, es war nicht meine, dass die Deutschen in E-Democracy den Briten und den Niederländern – als Beispiele, man könnte auch Frankreich oder die USA nennen – hinterherhinkten und dies in der „deutschen Kultur“ begründet liege. Ich habe nun für meine Magisterarbeit zu viele Projekte durchwühlt, als dass ich einen Zusammenhang zwischen den in Deutschland vorherrschenden kulturellen Eigenschaften und Art und Aufbau von E-Partizipationsprojekten ernsthaft abstreiten könnte. Deutsche Politiker und auch deutsche Nicht-Regierungsorganisationen waren nie Vorreiter auf diesem Gebiet, sie adaptieren, Innovationen gehen aber von anderen Staaten aus.
Das mag vielleicht daran liegen, dass es in Deutschland eh schon viele Möglichkeiten zur politischen Beteiligung gibt und die Medien in ihrer Berichterstattung im Vergleich sehr unabhängig sind. Beides ebenfalls Aspekte der deutschen Kultur, btw (relativ geringe Machtdistanz). Zum anderen gibt es in Deutschland eine gewisse Skepsis gegenüber technischen Innovationen und Neuerungen im Medienbetrieb (ich sag nur: Journalisten versus Blogger). Unsicherheitsvermeidung, wie der gute alte Hofstede jetzt rufen würde. Erst mal die anderen ausprobieren lassen, bevor man sich selbst in die Nesseln setzt. Die deutsche Angst vor der Beta-Version. Erst mal die Risiken abwägen, Studien schreiben lassen, Kosten und Nutzen analysieren, Experten befragen. Dann, vielleicht, irgendwann mal was machen.

Ich kann nicht sagen, welches System – ein „Machen-wir-mal-einfach“ oder ein „Erst-prüfen-dann-handeln“ – sich letztliche als das Effizientere herausstellen wird. Mir geht es nämlich gar nicht um Effizienz. Mir geht es darum, dass ich eine gewisse Leichtigkeit, etwas Risikobereitschaft und ein bisschen Spaß im deutschen Politikverständnis vermisse. Das macht sich eben auch in der elektronischen Demokratie bemerkbar. In Deutschland darf Politik nämlich keinen Spaß machen – dann hätte das ja nichts mehr mit ehrlicher Arbeit zu tun. Und diese Einstellung IST kulturell bedingt!
Vielleicht wechselt das ja mit einer neuen Generation von Politikern. Momentan kann ich mir allerdings kein Bundestagsblog vorstellen. (Und wenn jetzt jemand fragt: Wofür braucht man das denn? – Diese Frage ist so TYPISCH DEUTSCH!)

Eigentlich wollte ich mich die nächsten zwei Wochen nicht
mit Elektro-Demokratie beschäftigen...
Warum machen die Briten auch ihr dummes Blog?

Kategorien: Das Politbüro · Das Rechenzentrum