Mein schrecklich netter Nazi-Nachbar aus dem Stockwerk unter mir war heute vor allem eins: Schrecklich laut. Er selbst und auch seine Musik. Heute mittag, ich kam gerade nach hause, wurde ich bereits im Flur des Vorderhauses von den Bösen Onkelz empfangen. Im Hof war es wohl ungefähr so laut wie in der Wohnung meines Nachbarn, Fenster und seine Wohungstür hatte er nämlich sperrangelweit geöffnet. Anscheinend wollte er damit seinem Nachbarn von gegenüber eine wie auch immer geartete Botschaft übermitteln („Hey, ich bin ein Idiot“ oder „Hey, in spätensten ´nem Jahr brauch ich ein extra-gutes Hörgerät“ zum Beispiel). Er stand dann vor seiner Tür, als ich die Treppen hinauflief, und wollte irgendwas von mir wissen, keine Ahnung, was, ich habe ihn einfach nicht verstanden. Er wirkte ein bisschen betrunken, vielleicht aber auch einfach nur verschlafen und hatte eine Zahnbürste im Mund, das mag seine Aussprache beeinträchtigt haben. Als ich wieder weg musste, beglückte er das Haus jedenfalls immer noch mit den Onkelz, weiterhin bei offener Wohnungstür und begleitet von atonalen Geräuschen, die wohl Mitsingen darstellen sollten. Im Moment keine Musik mehr, im Moment ist einfach nur er selbst laut. Aber vielleicht hat er ja auch schon einen Hörschaden und muss deswegen immer so rumgrölen.
Meine schrecklich netten Nachbarn, Teil 1
September 30, 2007 · Kommentar schreiben
Kategorien: Die Wuthöhle
Birma, Burma, Myanmar
September 30, 2007 · Kommentar schreiben
…das Land jedenfalls, über das noch vor ein paar Tagen noch keiner geredet hat, weil niemand wusste, dass es existiert, und dessen Bezeichnung nun selbst gestandene Nachrichtenmoderatoren in die Krise stürzt, war heute morgen bereits aus dem Newsüberblick meines Aufwachradiosenders verschwunden. Nun ist mein Aufwachradiosender alles andere als ein Info-Radio, es sei denn, man möchte sich über den neuesten heißen Scheiß der Fast-Noch-Indie-Szene informieren – gewundert hat mich das aber schon, gestern waren die Proteste und das gewaltsame Vorgehen der Junta immerhin noch Aufmacher. Heute war es der Berlinmarathon.
Angesichts dessen ertappte ich mich bei der perversen Bitte, dass Thema Myanmar möge doch noch ein paar Tage aktuell und in den Schlagzeilen bleiben. Was hieße: Keine Entspannung der Situation, China hält still, die Militärjunta lenkt nicht ein, UN-Vermittlungen, sollte es denn welche geben, bleiben ohne Erfolg. Alles andere könnte sich negativ auf die Klickzahlen auswirken. Ich sag ja, hochgradig pervers. Journalismus macht zynisch, das ist kein Klischee. In einer perfekten Welt gäbe es einfach nichts zu berichten.
Andere Blogger planen derweil einen internationalen Solidaritätstag am 4. Oktober, und immerhin die Blogossphäre hat sich für einen Namen entschieden: Burma (den verwendeten die Engländer während ihrer Kolonialherrschaft, allerdings bezeichnen auch auf englisch schreibende und sendende Burmesen ihr Land so).
International bloggers are preparing an action to support the peaceful revolution in Burma. We want to set a sign for freedom and show our sympathy for these people who are fighting their cruel regime without weapons. These Bloggers are planning to refrain from posting to their blogs on October 4 and just put up one Banner then, underlined with the words „Free Burma!“. http://www2.free-burma.org/index.php
Plötzlich schein Myanmar schick zu werden.
Burma ist das neue Tibet.
(ich sag ja, mein tagwerk macht zynisch, don´t blame me, blame the job)
Kategorien: Das Hamsterrad
