More Sexappeal in Politics

Unkohärentes zu 9/11 und Terrorismusgefahr

September 12, 2007 · Kommentar schreiben

Terror ist ein guter Wahlkampfhelfer – hatte ich den Eindruck, als ich mich gestern nacht durch die Nachrichtensendungen zappte. Der eine (Guiliani) profoliert sich als Held von 9/11, die andere (Clinton) will den Leuten zeigen, dass der Held von 9/11 doch nicht so heldenhaft ist, weil er die gesundheitlichen Langzeitfolgen vernachlässigt, und wieder ein anderer (Schäuble) rechtfertigt mit einer „drohenden Terrorgefahr“ verstärkte Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen.

Nein, Moment, das letzte ist der verschwörungstheoretische Ansatz. Es fällt leicht, den zu entwickeln, im Moment: Gerade, wenn sich die Bevölkerung nicht ganz so unsicher fühlt, Sicherheitsmaßnahmen aber dennoch durchgesetzt werden sollen, gerade dann werden drei mutmaßliche Terroristen festgenommen. What a Coincidence. Andererseits: Gar kein so großer Zufall vielleicht, sechs Jahre nach 9/11 ist halt auch für Terroristen ein symbolisches Datum.

Da umkreisen sich zwei, beide Seiten (soweit man von Seiten sprechen kann) brauchen ein „Erfolgserlebnis“. Merkwürdigerweise fühle ich mich gar nicht bedroht. Keine Ahnung, ob das an meiner Hybris liegt, meiner Ignoranz oder sonstwas – Vertrauen in Polizei und Geheimdienste und BMI sind es nicht unbedingt, also schon auch, da sitzen ja keine Idioten, ich gehe schon davon aus, dass die wissen, was sie da tun, zumindest ansatzweise – aber ich fühle mich hier in diesem Land nicht unsicher.

Nur geht es seit sechs Jahren nicht wirklich weiter. Die Diskussionen gestern waren dieselben wie im Jahr davor, im Jahr davor, im Jahr davor, im Jahr davor, im Jahr davor. Und nur ein klein wenig anders als im Jahr davor. Keiner sagt mal was neues. Die Ursachen, die inneren Ursachen, was Menschen in den Terrorismus treibt, sind schon oft auszuloten gesucht worden, so auch gestern wieder, bei Maischberger habe ich es mitbekommen. Ein Mann, der seine Schwester bei den Anschlägen 9/11 verloren hatte, hat überraschend für mich einige sehr kluge Dinge gesagt, schien ein sehr überlegter Mensch zu sein – nur, neu waren die auch nicht. Ob richtig oder nicht ist sowieso noch mal ne andere Frage. Eine Frau, die ihren Sohn bei Anschlägen auf Bali verloren hat, habe ich mir nicht angehört, das Fremdschämen war zu groß. Als ich dann Schäuble nicht mehr zuhören konnte, weil er mich so verwirrte, weil er immer „Pakischtan“ und „Terrorischten“ sagte, da bin ich ins Bett gegangen.

Um heute morgen in den Nachrichten zu hören, dass sich bei der Eröffnung des hässlichen Alexa-Kaufhauses mehrere Hundert Menschen über den Haufen gerannt haben, damit sie als erster an die Schnäppchen im neuen Mediamarkt kommen. Böse Gedanken: Was verdienen Menschen eigentlich, moralisch gesehen, die sich für eine billige Waschmaschine – die wahrscheinlich eh nicht länger hält als die Garantie – schon gegenseitig tottrampeln? Scheiß Kapitalismus. Wieder eingeschlafen, dann einkaufen gegangen, nicht im Alexa, in anderen Multi-Store-Shopping-Malls, Konsumterror galore. Unbeleckt auch vom leisesten Anflug eines schlechten Gewissens.

update zu alexa: erst lesen, dann motzen, indymedia-leser wissen mehr usw. usf. gucksdu hier

Kategorien: Das Politbüro

28 Weeks Later

September 12, 2007 · Kommentar schreiben

(endlich habe ich es mal wieder geschafft, ins kino zu gehen…)

28 Weeks Later bietet so ziemlich genau das, was die Vorschau verspricht -  er ist laut, schnell, verwackelt, blutig und hat ein paar (wenige) ganz nette Jumper. Zombies gibt es zuhauf, die machen auch alle ganz beängstigend ARGGHH und GRRR und so weiter, bluten unansehlich aus dem Mund und beißen in alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die Schnitte sind derart stroposkopartig, dass zu Epilepsie neigenden Menschen von einem Besuch dringend abzuraten ist. Eine Kamerführung und Schnitttechnik, die zu diesem Film durchaus passt, auch wenn ich verstehen kann, dass dies so manchem auf den Geist geht. Für einen Zombie-Streifen ist 28 Weeks nicht schlecht. Nur: Leider eben auch nicht richtig gut. 28 Weeks Later ist nicht 28 Days Later. Nicht annähernd. Muss er auch nicht. Dass Charakterzeichnung, Sympathieträger, Logik und gesunder Menschenverstand fehlen, ist für Horrorfilme ja nicht immer nachteilig. Allerdings fehlen 28 Weeks Later nicht nur tragfähige Charaktere und eine durchdachte Story, sondern auch Blood and Gore und Schockeffekte, um das auszugleichen. Entweder psychologischer Horror, Gänsehaut und Verstörung oder Hau-drauf-Blut-spritzt-Gedärme-fliegen. Hat 28 Weeks Later aber beides nicht. Und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob man dieses Sequal überhaupt versteht, wenn man den ersten Teil nicht gesehen hat.

Fazit: Nicht richtig gut, nicht richtig schlecht, Robert Carlyle war ein bisschen verschwendet, insgesamt nichts, was man sich merken muss. Na ja, die Musik ist gut.

Kategorien: Die Popcornmaschine